Teil eines Werkes 
10. Band, Durch Nacht zum Licht : (Fortsetzung von: Problematische Naturen) : 1. Band (1867)
Entstehung
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208 Durch Nacht zum Licht.

Sie ſpricht mit gebildeten Herren(mit anderen ſpricht ſie überhaupt nicht) gern über Sprachenvergleichung und Wilhelm von Humboldt und ſoll ſämmtliche zwölf Bände von dem berühmten Werke ihres Vaters durchgeleſen haben. Indeſſen iſt dieſe Behauptung ſo unge⸗ heuerlich, daß man wohl mit Recht an der Wahrheit derſelben zweifeln kann.

Der langathmige Selam zwiſchen den Familien Clemens und Snellius iſt noch nicht halb zu Ende, als ſich abermals die Thür öffnet, um den Doctor Kübel nebſt Frau und Tochter einzulaſſen. Ihnen folgen die Herren Doctoren Wimmer und Breitfuß. Doctor Kübel iſt Ordinarius der Tertia und ein ſo kugelrundes, joviales Männchen mit ſtets glatt raſirtem Geſicht und weißen, ſorgſam ge⸗ pflegten Händen, wie ſie ſo rund und jovial unſere neuere Zeit gar nicht mehr ſchaffen kann, wie ſie aber in den friedlichen ſtagnirenden Gewäſſern der Periode von dem Wiener Congreß bis zu Ende der vierziger Jahre gar fröhlich an Gymnaſien und anderen ſtillen Plätzen in dem ſtillen Deutſchland gediehen. Seine Stimme iſt laut und quäkend und erinnert(wie denn auch die Geſtalt des Mannes) an die harmloſen Bewohner der Sümpfe. Seine Gelehrſamkeit iſt nicht eben bedeutend. Spötter behaupten, daß ſein einziges Verdienſt als Philo⸗ loge darin beſtehe, eine ſehr hübſche Tochter zu haben. Marie Kübel iſt in der That ein ſehr hübſches, braunäugiges, lachluſtiges, freund⸗ liches Mädchen, das von den Fräulein Clemens und Snellius un⸗ ſäglich verachtet wird, von jenen, weil ſie keine Ahnung von dramati⸗ ſchem Vortrag hat, von dieſer, weil ſie einmal Alexander von Hum⸗ boldt mit Wilhelm von Humboldt verwechſelte. Heute hat ſie den Zorn Thusneldens und Fredegundens dadurch noch beſonders hervor⸗ gerufen, daß ſie mit den Doctoren Wimmer und Breitfuß zu gleicher Zeit anlangte und dieſelben, ſo zu ſagen, in ihrem Gefolge hatte. Thusnelde und Fredegunde ſind aber gewohnt, die Aufmerkſamkeiten und Galanterien dieſer Herren als ein ihnen gebührendes Regal zu betrachten, und das mit einigem Recht, denn Herr Wimmer trägt ſeit ungefähr einem halben Jahr heimlich eine Locke von Thusnelden auf dem Herzen(die er in ſentimentalen Augenblicken, unter Androhung ſeiner höchſten Ungnade im Fall des Verraths, ſeinen vertrauteſten

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