Teil eines Werkes 
10. Band, Durch Nacht zum Licht : (Fortsetzung von: Problematische Naturen) : 1. Band (1867)
Entstehung
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204 Durch Nacht zum Licht.

Achtzehntes Capitel.

Die Dienſtwohnung des Gymnaſialdirectors Doctor Moritz Cle⸗ mens prangte heute Abend in ungewöhnlichem Glanz. Nicht nur waren in derguten Stube und in der Wohnſtube die Ueberzüge von ſämmtlichen Sophas, Sophakiſſen und Stühlen entfernt und über die enthüllte Pracht herrlichſter Stickereien das verſchwenderiſche Licht zweier Lampen und eines halben Dutzend Stearinkerzen ausgegoſſen; auch das Studirzimmer des Directors auf der einen und das Wohn⸗ und Schlafgemach der beiden Töchter auf der anderen Seite waren durch Wegräumung des Arbeitstiſches hier und der Betten dort in Salons umgeſchaffen und ebenfalls mit je einer Lampe und drei Kerzen erleuchtet worden. Durch ſämmtliche Räume wallte der aro⸗ matiſche Duft, welcher jedesmal entſteht, ſo oft auf die heiße Platte eines Ofens etwas Räucherpulver geſtreut wird, und der ſchon an und für ſich hinreicht, jedes wohlgeordnete Gemüth in eine feſtliche Stimmung zu verſetzen.

Die Familie Clemens iſt in großer Toilette und harrt der Gäſte, die da kommen ſollen. Die Familie Clemens beſteht aus vier Per⸗ ſonen, aus Vater, Mutter und zwei erwachſenen Töchtern. Der Director Clemens iſt ein Mann von etwa funfzig Jahren, der in ſeiner Jugend ſchön geweſen ſein muß und noch immer für einen ſehr hübſchen Mann gelten kann. Er trägt das lockige braune Haar ziemlich lang und den Hemdkragen gegen die Mode der Zeit à la Byron über das loſe umgebundene Halstuch geſchlagen, was ihm, in Verbindung mit der etwas verſchwommenen Weichheit ſeiner Züge einen idealen, um nicht zu ſagen weibiſchen Anſtrich giebt. Er iſt ſich dieſes ſanften Charakters ſeiner Erſcheinung bewußt und thut Alles,

denſelben auf jede Weiſe zu erhöhen. Seine Rede iſt ſanft, ſeine Stimme iſt ſanft, ſeine Bewegungen ſind ſanft.Ich heiße Clemens und ſuche meinem Namen Ehre zu machen, pflegt er beſcheidentlich zu antworten, wenn ihm Jemand über dievollendete Humanität