176 Durch Nacht zum Licht.
ſagen konnte, ſo ſanken wir uns gerührt in die Arme und beneideten keinen König auf dem Thron um ſeine Herrlichkeit.“
Herr Bemperlein ſchwieg und blickte gerührt in ſein Glas.
„Die alte Zeit ſoll leben, Bemperlein!“ ſagte Franz.
„Und die neue daneben,“ erwiderte Bemperlein, mit dem Braut⸗ paare anſtoßend.
„Aber wie war das mit dem Frack, Bemperchen?“ fragte Sophie; „es war doch nicht gar Ihr Confirmationsfrack?“
„Richtig gerathen, ſchöne Dame; es war mein Confirmations⸗ frack. Die Zeit der Einſegnung war vor der Thür. Ich hatte von einem Kaufmann, deſſen Kinder ich im Leſen und Schreiben unter⸗ richtete, und bei dem ich auch wöchentlich einen Freitiſch hatte, Tuch zu einem Frack geſchenkt bekommen. Der brave Mann ſagte mir ſogar: ich ſolle ihn nur bei ſeinem Schneider auf ſeine Koſten machen laſſen. Ich glaubte indeſſen, die Güte des Mannes zu mißbrauchen, wenn ich auch dies Geſchenk noch annehme und bat um die Erlaubniß, den Frack bei meinem eigenen Schneider machen laſſen zu dürfen. Nun, wer der„eigene Schneider“ war, können Sie ſich denken. Chriſtian Süßmilch und ich wollten uns beinahe todt lachen über dieſen genialen Witz; und wir beſchloſſen ſofort an's Werk zu gehen und ein Meiſterſtück zu liefern, das unſerm„eigenen Schneider“ Ehre machen ſollte. Aber, o des Jammers! Papa Süßmilch war hinter unſere„verdammten Schliche“ gekommen, wie er in ſeiner banauſiſchen Redeweiſe die Weiheſtunden der Freundſchaft und Arbeit zu nennen beliebte. Er hatte eine griechiſche Grammatik entdeckt, die Chriſtian beim Eintritt des böotiſchen Vaters in die Hölle unter die Lumpen zu ſchleudern pflegte und die Folge dieſer entſetzlichen Entdeckung war die, daß er zuerſt einmal ſeine Elle auf dem Rücken des attiſchen
ünglings entzweiſchlug und zweitens ihm bei Androhung ſofortiger terbung und Verbannung aus dem väterlichen Hauſe kategoriſch befahl, in Zukunft allen Umgang mit mir gänzlich und durchaus ab⸗ zubrechen. Weinend erzählte mir der treue Freund das Entſetzliche, als ich ihm Tags darauf an der Straßenecke begegnete, wie er eben ein fertiges Beinkleid zu einem der Kunden ſeines Vaters trug.„Aber


