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Durch Nacht zum Licht.
blick noch einmal ſeine Aufforderung wiederholt, Oswald würde ſich nicht länger geweigert haben, ihm zu folgen. Seitdem ihn Franz verlaſſen, war es ihm, als ob ſein guter Engel von ihm gewichen und die Luft in Fichtenau für ihn mit Unglück angefüllt ſei.
Sechstes Capitel.
Am nächſten Tage erwachte Oswald ſpät aus einem durch wun⸗ derliche unheimliche Träume vielfach geſtörten, unerquicklichen Schlaf. Die noch vor Kurzen ſo heiß geliebte Melitta war ihm erſchienen— das liebe, ſchöne Angeſicht blaß, gramzerriſſen, die braunen, thränen⸗ überſtrömten ſanften Augen mit dem Ausdrucke unſäglicher Wehmuth auf ihn gerichtet. So hatte ſie dageſeſſen— mit ſchmerzlich ſüßem Lächeln auf den weichen— ach, wie ſo oft in trunkener Liebe ge⸗ küßten Lippen! Und Oswalds Herz war übergefloſſen von Liebe und Mitleid. Vergeſſen war Alles, was ſich zwiſchen ſie und ihn ge⸗ drängt hatte— die böſe Saat, die ziſchelnde Zungen ausgeſtreut und die von dem Wankelmuth der eigenen Seele ſo ſchnell zur Reife ge⸗ wiegt war— vergeſſen Alles— nur nicht die Erinnerung an die
ſonnigen Tage unſäglichen Glücks. Und er hatte ſich ihr zu Füßen geſtürzt und auf ihren lieben Knien Thränen, bitterſüße Thränen geweint, in gebrochenen Worten ſeine Reue geſtammelt und ihre Ver⸗ zeihung angefleht. Da hatte ſich eine Hand eiskalt auf ſeine Stirn gelegt und als er aufſchaute, war es nicht mehr Melitta, ſondern Profeſſor Berger; aber nicht mehr der Mann des melancholiſchen Hu⸗ mors und der vernichtenden Satire, der ihm oft, das dämoniſche Lächeln auf den räthſelhaften Lippen, an den Theeabenden gegenübergeſeſſen hatte, ſondern eine unheimlich ſtille, unheimlich regungsloſe Maske von Wachs. Aber in dem kalten, ſtarren Geſicht der Maske hatte es plötzlich angefangen zu zucken und ſich zu regen, wie wenn Jemand ſprechen will und die Zunge ihm den Dienſt verſagt— dann hatte ſie begonnen zu reden, nicht in menſchlichen Worten, ſondern in


