Erſter Band. 33
der Falle und wollte nicht wieder umkehren, bis ich den Speck ge⸗ koſtet hätte. Als ich noch ſo überlege, was ich nun beginnen ſoll, höre ich mit einem Male Säbelraſſeln und Sporenklirren auf der Treppe, die zu dem Dache führt. Es war der Sultan ſelbſt, der Herrn Cotterby von oben herab bewundern wollte. Ich, in meiner Herzensangſt, laufe nach dem nächſten Schornſtein, der aus dem Dach herausragt, krieche hinein und plumps!— zum Beſinnen war keine Zeit— ſo eine zwanzig Fuß heruntergerutſcht und wohin glauben die Herren? direct in den Kamin von der Schlafſtube der Favoritin des Sultans.— Hier muß ich indeſſen die geehrten Herren um Verzeihung bitten, wenn ich, um die Ehre einer Dame nicht zu compromittiren, nur andeutungsweiſe ſo viel ſage, daß die nächſten vierundzwanzig Stunden zu den ſchönſten gehören, die Caspar Schmenckel in ſeinem Leben gehabt hat, daß ich am folgenden Tage von Herrn Cotterby, der etwas der Art geahnt haben mußte und eine noch größere Karre wie gewöhnlich mitgebracht hatte, auf die an⸗ gegebene Weiſe abgeholt wurde,— daß wir noch in derſelben Nacht Konſtantinopel verließen und ſeit dieſer Nacht meine Geſellſchaft um eine vorzügliche Künſtlerin reicher und der Palaſt des Sultans um ſeine ſchönſte Blume ärmer war.“
Herr Schmenckel ſah ſich triumphirend um. Er konnte mit dem Eindrucke, den ſeine Geſchichten auf die in athemloſer Spannung Horchenden hervorbrachten, zufrieden ſein.— In dieſem Augenblick kam die Dame, welche an der Kaſſe zu ſitzen pflegte und überhaupt die inneren Angelegenheiten der Geſellſchaft verwaltete, eilig in die Trinkſtube gerannt und flüſterte Herrn Director Schmenckel etwas in's Ohr, wovon die Geſellſchaft nur die Worte: Frauenzimmer— fortgelau⸗ fen— verſtehen konnte. Herr Director Schmenckel ſchien die Mitthei⸗ lung ſehr übel aufzunehmen. Sein Geſicht verfinſterte ſich zuſehends. Er murmelte etwas von Teufel und Dreinſchlagen und verließ den Tiſch, ohne auch nur ſein Seidel auszutrinken— ein Beweis, daß die Nachricht, welche ihm ſo eben hinterbracht worden war, überaus wichtig ſein mußte.
Und wichtig war die Nachricht denn auch, und beſtand in nichts Geringerem, als darin, daß die ſchöne Blume, die Herr Schmenckel
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Fr. Spielhagen's Werke. X.


