Teil eines Werkes 
9. Band, Die von Hohenstein : Roman : 3. Band (1867)
Entstehung
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Dritter Band. 237

und den Adel ſeiner Natur nie verleugnet habe. Auch Münzer's ge⸗ dachte man, ſeiner großen Eigenſchaften und ſeines tragiſchen Schick⸗ ſals; Antonien's, der jetzt, da ihr Körper ſeit faſt ſchon einem Jahre in fremder Erde ruhte, ſelbſt Tante Bella Gerechtigkeit widerfahren ließ; Clärchen's, welcher Antonie, als ſie die allzuſchwere Bürde des Lebens von ſich warf, ihr ganzes Vermögen vermacht hatte und deren einziger Reichthum doch nur in der kleinen Ella beſtand, die immer lieblicher erblühte und oft mit ihrem geiſtvoll-phantaſtiſchen Weſen dem Erbtheil des Vaters der ſtillen ernſten Mutter ein weh⸗ müthiges Lächeln abgewann; man gedachte des wilden Cajus und ſeiner letzten furchtbaren That, die noch immer den entflohenen Mör⸗ dern des alten Generals zugeſchrieben wurde und auch zugeſchrieben bleiben ſollte, obgleich der fanatiſche Mann längſt nach Amerika zu⸗ rückgekehrt und für Alle, die ihn hier gekannt hatten, in den Ein⸗ öden des fernſten Weſtens verſchollen war; man gedachte des armen Balthaſar und ſeiner Philanthropie, mit der er eine Welt, die aus den Fugen war, wieder hatte einrenken wollen, und welcher richtige, ja große Gedanke doch ſeinen Träumereien zu Grunde gelegen; man gedachte jener ganzen wunderbaren Zeit, die ſo machtvoll den tiefſten Grund des Volkes aufgewühlt, und ſo viel Schlamm und ſo viel koſtbare Perlen zu Tage gefördert hatte.

Es war eine große Zeit, ſagte Peter Schmitz,und nur Bös⸗ willige oder Thoren können es leugnen. Was ein Volk, was die Menſchheit in ihrem Innerſten bewegt, kann nicht klein und verächt⸗ lich ſein, oder man müßte denn die Menſchheit in Pauſch und Bogen verachten. Weſſen Blick freilich nicht über den engen Horizont ſeiner perſönlichen Intereſſen und Wünſche hinausreicht, wer die Ideen, an deren Verwirklichung die Jahrhunderte ſchaffen, in ein paar Monaten oder Jahren vollendet ſchauen will, der wird in Allem, was jene Jahre brachten, nur ein Chaos von Aberwitz und Bosheit ſehen, und dann natürlich auch in der Conſequenz ſeines Peſſimismus über uns und unſer jetziges ſtilles Wirken die Naſe rümpfen. Uns ſoll das nicht irre machen. Wir wiſſen, daß unſer Ideal einer freien brüder⸗ lichen Menſchheit unſterblich iſt, obgleich wir, die Individuen, wie leichter Rauch verwehen; wir wiſſen, daß die Zeit, die dieſe Felſen⸗