Teil eines Werkes 
9. Band, Die von Hohenstein : Roman : 3. Band (1867)
Entstehung
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Dritter Band. 229

trogen. Kaum iſt ſie, dem Geheul der Weiber und dem Rufen der Männer die Treppe hinab, die Corridore entlang folgend, bis vor die Thür des Ermordeten gekommen, als ſie die Worte vernimmt: Ich habe ſie laufen ſehen nach dem Dorf zu man muß ihnen nachſetzen.

Ihr Entſchluß iſt gefaßt, wenn man die Eingebung des Augen⸗ blicks, die mit der Gewalt einer Naturkraft wirkt, einen Entſchluß nennen kann. Wie ſie da iſt, eilt ſie den Corridor zu Ende in den Gartenſaal, aus dem Gartenſaal an den ſich ängſtlich durcheinander⸗ drängenden Dorfleuten vorüber in den Park. Sie kennt von früheren häufigen Beſuchen die Dertlichkeit genau; ſie weiß, daß am Ende des Parks eine Pforte durch die Mauer auf einen Fußpfad führt, auf dem man in wenigen Minuten die Stelle, wo in dieſem Augen⸗ blicke der Wagen halten muß, erreichen kann. Die Angſt beflügelt ihren Fuß, aber betäubt ihre ſonſt ſo ſcharfen Sinne; ſie hört nicht, daß ihr in einiger Entfernung Jemand folgt, ver ſich, wo es angeht, an die Hecken drückt und hinter den Bäumen wegſchleicht, aber im⸗ mer Schritt mit ihr hält, getrieben, wie er iſt, von Eiferſucht und einer dämoniſchen Gewalt, die ihn wie mit Zauberbanden an die Ferſen des ſchönen Weibes feſſelt. Sie erreicht die Pforte; ſie eilt auf dem ſchmalen Rain unter den Kaſtanien an dem tiefen Graben hin, in welchem das Waſſer hier und da leiſe gurgelt. Sie eilt ſchneller und immer ſchneller, denn ſie ſieht bereits den Wagen halten. Sie wagt nicht zu rufen, aus Furcht, man könne ihren Ruf mißdeuten und irgend eine Unbeſonnenheit begehen. Plötzlich, wie ſie das Ende der Kaſtanien faſt erreicht hat, tritt ihr eine Geſtalt entgegen, die ſich von dem Schatten des Baumes loslöſt. Es iſt Münzer ſelbſt, der ihr weißes Kleid von ferne hat ſchimmern ſehen, und den Moment benutzend, wo die Andern mit den Wagen be⸗ ſchäftigt ſind, der auf dem ſteinigen Wege in der Dunkelheit Schaden gelitten hat, ihr entgegen geeilt iſt. Sie wirft ſich zitternd vor Aufregung an ſeine Bruſt; ſie will ſagen: fliehe! aber die Kehle iſt ihr wie zugeſchnürt; ſie kann nichts, als ihn von ſich drängen. Er nimmt in Worten, die ſie kaum vernimmt, Abſchied von ihr; er ſchwört ihr, daß er ihrem Wunſche Folge leiſten wolle, daß aber