Teil eines Werkes 
9. Band, Die von Hohenstein : Roman : 3. Band (1867)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

226 Die von Hohenſtein.

haßte dieſes junge Geſchöpf, deſſen Beſitz er ſich als die höchſte Wolluſt ausgemalt hatte, und das ihn nun gefliſſentlich zu einem alten Gecken machte. Aber ſie ſollte es empfinden; ſie ſollte ihn nicht ungeſtraft verhöhnen.

Wir fahren nach dem Tanz, Camilla; ziſchelte er.

Was?

Wir fahren nach dem Tanz, ſofort.

Albernes Zeug; der Prinz hat ſchon geſagt, daß er beim Souper neben mir ſitzen wolle.

Les cavaliers seuls!

Der Prinz avancirte, ſich graziös in den Hüften wiegend, geziert nachläſſigen Schrittes, Camilla fortwährend mit verliebtem Lächeln anblickend. Schnepper nagte vor Wuth an den dünnen blaſſen Lippen. Bei meiner Seelen Seligkeit, murmelte er,wir fahren nach dem Tanz und ſollte ich Dich bei den Haaren in den Wagen ziehen.

Camilla wurde blaß; mit dem ihr eigenen Scharfblick ſah ſie, daß Schnepper an der Grenze ſeiner Geduld angekommen, daß er für heute ſeinen Willen durchſetzen werde, und daß ihre Ehe von dieſem Augenblick an ein Kampf auf Tod und Leben ſei.

Du ſollſt es bereuen! murmelte ſie.

Wollen ſehen, wer es am längſten aushält; erwiderte Herr von Schnepper mit dem Zähnefletſchen eines boshaften Affen.

Zu derſelben Zeit tanzte Willamowsky, der die ſchöne Georgine von Hinkel führte, einen böſen Tanz. Georgine hatte, bevor ſie ſich mit Herrn von Brinkmann verlobte, mit Kettenberg in einem Ver⸗ hältniß geſtanden, das der frechen Sinnlichkeit dieſer jungen Dame und der grenzenloſen Lüderlichkeit des Künſtlers entſprach. Sie wußte recht wohl, daß Kettenberg ihr keine rigoroſe Treue bewahrte(eben ſo wenig, wie ſie ihm); ja, dies ſonderbare Paar hatte die Gewohn⸗ heit, ſich gegenſeitig die Erfahrungen, welche ſie auf ihren dunklen Wegen machten, mit eyniſcher Offenheit mitzutheilen. So kannte Georgine Aureliens Liebe zu Kettenberg ſehr gut, um ſo beſſer, als Aurelie ſelbſt die Tugend der Verſchwiegenheit(auch in ihren eigenen Angelegenheiten) in einem äußerſt geringen Grad beſaß. Georgine gönnte Aurelien(die von jeher ihre Nebenbuhlerin geweſen war) die