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Erſtes Capitel.
3 Im Salon der Präſidentin hatte am Mittag deſſelben Tages im Kreiſe der Familie eine jener Scenen ſtattgefunden, auf welche die Dichtigkeit der eichenen Thüren und die Schwere der Portieren von vornherein berechnet ſchienen. Fräulein Camilla und Fräulein Aurelie hatten ſich heftig gezankt; die Mutter hatte vergeblich die Zankenden zu beſchwichtigen geſucht, und Joli, der Schvoßhund, welcher 3 doch auch ſein Theil an der Familiendispüte haben wollte, ſo laut 7
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gekläfft, daß der Präſident, der in ſeinem Zimmer gearbeitet hatte, kam, um ſich nach der Urſache des Lärmens zu erkundigen. Da alle drei Damen zu gleicher Zeit auf ihn einſprachen und Joli(dem die Sache außerordentliches Vergnügen zu machen ſchien) noch immer aus Leibeskräften bellte, ſo wurde es dem Präſidenten einigermaßen ſchwer, den Grund des Streites zu erfahren. Zuletzt legte ſich der Lärm ſo weit, daß Joli mit einem Satze auf einen Sammetfauteuil ſprang und ſich zum Schlafe zuſammenrollte, als wiſſe er das, was nun kommen werde, auswendig. Und in der That war es eine alte Ge⸗ ſchichte, die dem Präſidenten jetzt in der Wechſelrede der drei Damen vorgetragen wurde.
Aurelie hatte Camilla darüber zur Rede geſtellt, daß ſie mit Herrn von Willamowsky genau ſo kokettire, als ob ſie nicht verlobt ſei; worauf Camilla geäußert hatte, daß dies, ſo viel ſie ſehen könne, Aurelien gar nichts angehe; Aurelie hatte dann geſagt: die Sache ginge ſie ſehr viel an, denn ſie habe nicht Luſt ſitzen zu bleiben, und das werde wohl das Ende vom Liede ſein, wenn Camilla alle Herren,
Fr. Spielhagen's Werke. 1x. 1
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