184 Die von Hohenſtein.
„Hat Euch der Alte je etwas Gutes gethan?“
„Nie; er hat mich ſtets verhöhnt und gehänſelt, und hat mich oft in ſeiner Zorneswuth geſtoßen und geſchlagen. Er iſt, ſo lange ich ihn kenne, ein ſchrecklicher Herr geweſen und ich fürchtete ihn früher ſehr.“
„Und jetzt?“
„Jetzt habe ich Mitleid mit ihm, wie mit einer giftigen Schlange, die ſich halb zertreten am Boden krümmt.“
„Iſt das Weib, Eure Frau, noch immer bei ihm? das letzte Mal, als ich hier war, wollte er ſie ja fortjagen?“
„Sie iſt noch bei ihm, ſonſt wäre ich nicht mehr hier.“
„Wie ſo?“
„Weil, wenn der General ſie fortjagt, ſie zu mir zu kommen ge⸗ droht hat, und weil, wenn ſie zu mir kommt, ich fort müßte.“
„Fort? wohin?“
„Gleichviel wohin, und wäre es in den Strom.“
„Eine angenehme Gefellſchaft,“ brummte Ambroſius.
Zwanzigſtes Capitel.
Die Beiden waren zwiſchen den, trotz ihrer Kahlheit noch immer undurchdringlich dichten Hecken und Büſchen an die Stelle des kleinen Teiches gekommen, von dem aus die Präſidentin mit ihren Töchtern an jenem Frühlingsmorgen das Schloß beobachtet hatte.
„Wollen Sie hier einen Augenblick verziehen,“ ſagte Balthaſar; „ich will vorausgehen und ſehen, ob wir es wagen können.“
Balthaſar ſchlich am Rande des Teiches fort und war bald unter den überhängenden Zweigen der Weiden verſchwunden. Der Pfarrer lehnte ſich an den halb umgeſunkenen ſteinernen Tiſch und ſchaute mit übereinandergeſchlagenen Armen wachſam umher. Die Situation war dazu angethan, das Wort Balthaſars von der Furchtloſigkeit Herrn Ambroſius Kandels auf die Probe zu ſtellen. Hinter ihm aus den


