22 Die von Hohenſtein.
„Mann, ſeid Ihr toll!“ rief Holm, der bei dieſen Worten bei⸗ nahe ſo blaß geworden war, wie der im Flausrock,„und Ihr ſitzt hier— ſeit einer Stunde— in dieſem Zuſtande?“
Ein grimmiges Lächeln zuckte über das Geſicht des Leidenden.
„Die Herren hätten ja die Correctur ſelbſt machen müſſen, und ich weiß, daß Sie ſo ſchon Mühe haben, fertig zu werden, und—“ die ſchmerzgebrochenen Augen ſchoſſen einen finſtern Blick auf den Präſidenten—„gerade dieſen Artikel konnte ich keinem Andern überlaſſen.“
Der Corrector wollte aufſtehen, aber die Bewegung brachte den
zerbrochenen Arm aus ſeiner Lage. Der wüthende Schmerz preßte dem ſtoiſchen Manne einen dumpfen Weheſchrei aus und er ſank ohn⸗ mächtig auf ſeinen Stuhl zurück. Dr. Holm fuhr mit einer Geſchwindigkeit, die man ihm bei ſeiner Lahmheit nicht zugetraut hätte, an die Thür, die nach dem Setzerſaal führte, riß das Fenſterchen auf und ſchrie mit der ganzen Kraft ſeiner Lunge:„Hülfe! Hülfe!“ dann griff er nach der Klingelſchnur, die über dem Redactionstiſche hing und begann an dieſer Sturm zu läuten, während er dabei noch immerfort Hülfe! ſchrie, obgleich die von ihrer Arbeit aufgeſchreckten Setzer mit verſtörten Mienen ſchon in das Zimmer geſtürzt kamen. Zu gleicher Zeit aber ward auch die Thür, die nach dem Flur führte, geöffnet und Tante Bella eilte herein,— das Stickmuſter noch in der Hand und das rothe Garn noch um den Hals— und rief:
„Habe ich es doch gedacht, daß dieſer Mann uns Unglück in's Haus bringen würde! Was giebt's, Holm?“
„Rühre ihn Keiner an; er hat den Arm gebrochen!“ ſchrie Dr. Holm den Männern zu, die den noch immer ohnmächtigen Cajus emporzurichten bemüht waren.
„Aber Holmchen, ſind Sie denn von Sinnen?“ rief Tante Bella, „wir können ihn doch hier nicht ſitzen laſſen. Geben Sie mir lieber ein Glas Waſſer aus der Karaffe. Lohmann, laufen Sie nach dem Doctor! er ſoll ſofort kommen! Sie Beide und Hartwig— Sie haben ja viel Kraft!— tragen Sie ihn nach vorne— in die rothe Stube! So!“


