20 Die von Hohenſtein.
Mannes Geſicht in dieſem Augenblick zeigte, ſo, daß er ein paar Schritte zurücktaumelte und eine abwehrende Bewegung machte.
„Nun, wie Sie wollen,“ ſagte der im Flausrock grinſend;„aber der Artikel iſt gut geſchrieben und was den Inhalt betrifft, ſo hat es ſchon ſchlechtere Conterfei's gegeben.“
Und der Mann ergriff eine zweite„Fahne“ und fing wieder an zu corrigiren.
„Ich bleibe keinen Augenblick länger,“ murmelte der Präſident, nicht für eine Million!“
In dem Momente, als der Präſident die Hand auf den Drücker der Thür legen wollte, erſchallte draußen auf der hölzernen Gallerie der Schritt Jemandes, welcher mit dem einen Fuße ſehr leiſe und mit dem zweiten ſehr feſt auftrat und dazu mit einem derben Stock den obligaten Takt ſtieß. Eine gar nicht üble Baßſtimme ſang:
„In dieſen heil'gen Hallen Kennt man die Rache nicht—“
vann wurde— ohne vorhergehendes Anklopfen— die Thür aufge⸗ ſtoßen und herein hinkte Dr. Holm, den breiträndrigen gelben Stroh⸗ hut ſammt dem Stock in der einen und in der andern Hand das roth⸗ ſeidene Taſchentuch, mit welchem er ſich in dem kühleren Zimmer den Schweiß von der perlenden Stirn und dem kahlen Schädel wiſchen wollte. Aber er vergaß dieſe nützliche Manipulation vor Erſtaunen über den Anblick des alten Univerſitätsfreundes und jetzigen politiſchen Gegners, deſſen Anweſenheit im Redactionszimmer des Volksboten in der That befremdlich genug war, für Dr. Holm zumal, deſſen men⸗ ſchenfreundliches Gemüth mit dem Bewußtſein belaſtet war, daß noch heute Abend einer jener fulminanten Artikel„in Praesidentem“ im Volksboten zu leſen ſein würde. Aber Dr. Holm beſaß in einem hohen Grade die Eigenſchaft, ſich nicht leicht aus der Faſſung brin⸗ gen zu laſſen und ſo ſchwenkte er denn den breiträndrigen Strohhut mit einer kühnen Armbewegung und rief:.
„Seid mir gegrüßt, der Regierung erleuchteter, würdiger Präſes.“
„Ich ſehe, die Jahre haben dem friſchen Humor meines Univerſi⸗ tätsfreundes nichts anzuhaben vermocht;“ erwiderte der Präſident,


