Zweiter Band. 47
laufen wollte, auf der ſchmalen Gallerie an ein Ausweichen nicht zu denken. Der Präſident hielt es alſo für das Gerathenſte, einen ſuchen⸗ den Blick in dem Flur umherzuſchicken, und in dem Moment, als die Dame bis auf drei Schritte an ihn heran war, ſie plötzlich zu be⸗ merken und etwas auf die Seite tretend und den Hut lüftend, im verbindlichen Tone zu fragen:
„Ah, Madame; Sie können mir vielleicht ſagen, ob ich hier auf dem rechten Wege zum Büreau des Herrn Dr. Münzer bin?“
Tante Bella blieb ſtehen und heftete ihre ausdrucksvollen dunklen Schmitz'ſchen Augen mit einer ſo durchdringenden Schärfe auf den Frager, daß dieſer unwillkürlich den gelüfteten Hut ganz abnahm, als
une er dadurch bewirken, daß die dunklen Augen der Dame einen etwas weniger unbequem⸗forſchenden Ausdruck annähmen. Aber die dunklen Augen blickten nur noch forſchender, und es lag auch durch⸗ aus keine Süßigkeit in dem Ton, mit welchem Tante Bella jetzt antwortete:
„Das Redactionszimmer iſt am Ende der Gallerie, Herr Prä⸗
„Ah,“ ſagte Herr von Hohenſtein mit einer anmuthigen Ver⸗ beugung:„ich habe die Ehre von Madame gekannt zu ſein?“
„Wenn Sie nichts dagegen haben, daß ich weiß, wie der Bruder meines Schwagers ausſieht, ja!“
„Dann habe ich das Vergnügen, mit— Fräulein Schmitz?“—
„Arabella Schmitz, zu dienen, Herr Präſident. Ich fürchte, Sie werden jetzt nur erſt Herrn Dr. Holm in der Redaction treffen. Dr. Münzer pflegt am Dienstag ſpäter zu kommen; bin ich vielleicht im Stande, Ihren Auftrag auszurichten?“
Bei dieſen Worten blickten die dunklen Augen Tante Bella's forſchender als je.
„Ich bin Ihnen ſehr verbunden, mein Fräulein; aber ich würde vorziehen, Herrn Pr. Münzer ſelbſt zu ſprechen; ich werde, wenn Sie erlauben, einige Zeit in dem Redactionszimmer auf ihn warten.“
„Wie es Ihnen beliebt,“ ſagte Tante Bella und ging mit einer kaum merklichen Reigung ihres Kopfes an dem Präſidenten vorüber.
„Incidit in Scyllam,“ murmelte dieſer, jetzt nothgedrungen weiter Fr. Spielhagen's Werke. vIII. 2
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