188 Die von Hohenſtein.
Bewaffnung zu gewähren. Man müſſe den gemeinen Mann in das gemeine Intereſſe ziehen; ihn davon ausſchließen, hieße: den Wühlern in die Hände arbeiten. Dieſe Anſicht fand indeſſen ſehr wenig Bei⸗ fall; aber von Niemanden wurde ſie mit größerer Entſchiedenheit zurückgewieſen, als von dem Stadtrath von Hohenſtein.„Ich habe ſtets der Freiheit das Wort geredet,“ rief er,„und ich thue es noch; aber, meine Herren, eine zügelloſe Freiheit iſt keine Freiheit mehr; das iſt die Anarchie, das iſt die Auflöſung aller Bande, das iſt das Chaos. Wollen Sie das Chaos heraufbeſchwören? Wer iſt denn das Volk, von dem ſo viel geredet wird? um das es ſich einzig und allein zu handeln ſcheint? Die Fürſten und ihre Diener ſind es nicht; die Beamten des Staates, die Communalbehörden ſind es nicht; das Heer iſt es nicht; Alles, was Energie, Bildung hat, iſt es nicht; die Beſitzenden— die vor Allem!— ſind es nicht: der ſolide Hand⸗ werker, den das Cravalliren in ſeiner Arbeit ſtört, iſt es ebenfalls nicht. Wer iſt es denn? einige wenige überſpannte Köpfe, die um Lebens und Sterbens willen nicht wiſſen, was ſie eigentlich wollen; Menſchen, die ihren Beruf verfehlt haben, oder deren Beruf es iſt, keinen zu haben, zum mindeſten keinen ſoliden; Ehrgeizige, die im Trüben fiſchen; Banqueroutteure, die dem Schuldthurm entgehen wollen— und hinter ihnen her eine wüſte Schaar, von der jeder Einzelne für Sie ein Gegenſtand der Verachtung iſt und vor der Sie nun, eben weil es eine Schaar, eine Maſſe iſt, in Ehrfurcht den Hut abziehen. Sehen Sie nach Frankreich und Sie werden ſchaudernd erkennen, wohin es führt, wenn man das Volk mit dem Pöbel ver⸗ wechſelt; wollen Sie franzöſiſche Zuſtände über uns bringen? Sehen Sie nach dem Süden Deutſchlands und Sie werden begreifen, daß die Wühler bei uns daſſelbe erſtreben, was ſie in Frankreich erſtreben, vaß ſie aber bei uns, Gott ſei Dank, noch machtlos ſind und macht⸗ los bleiben werden, wenn wir nicht ſelbſt mit freventlichem Leichtfinn die Macht aus den Händen geben.“
Die Rede des Herrn von Hohenſtein war oft von Beifalls⸗ gemurmel begleitet geweſen; ein lautes Bravo belohnte ihn, als er, nachdem er die letzten Worte mit erhobener Stimme geſprochen, in nicht fingirter Erſchöpfung in ſeinen Seſſel zurückſank; man war all⸗


