182 Die von Hohenſtein.
Streifen des Mondlichts, die durch die heruntergelaſſenen Vorhänge fielen, langſam, langſam weiter rückten. Es war eine Verdoppelung der Qual; aber ſie mußte ertragen werden. Wenn die Sache heraus⸗ kam und der Wächter conſtatirte: er habe die ganze Nacht im Zimmer des Herrn Stadtrath Licht geſehen!... warum hatte er Licht ge⸗ brannt? warum hatte er nicht geſchlafen?— Meine Frau war krank, meine Herren; verlangen Sie, daß ein Mann ſchlafen ſoll, wenn ſeine geliebte Frau todtkrank darniederliegt?— Aber es iſt von der Zeugin Urſula Klüngel, die damals bei Ihnen im Dienſte ſtand und bei Ihrer Gattin gewacht hat, ausgeſagt worden, daß Sie Ihr Zimmer nicht verlaſſen, zum mindeſten das Zimmer Ihrer Gattin nicht be⸗ treten haben. Was können Sie darauf erwidern, Angeklagter? Und wie wollen Sie es erklären, daß man Ihr Bett am andern Morgen nicht berührt fand? Sprechen Sie, Angeklagter!—„Ich muß zu Bett,“ murmelte der Stadtrath, als er, mitten im Zimmer ſtehend, aus dieſem furchtbaren Verhör wieder zu ſich kam und ſich den Angſt⸗ ſchweiß von der Stirn wiſchte;—„ich muß zu Bett gehen; es wäre ein Indicium mehr.“
Er ſchlich in ſeine Schlafſtube, die in der Front des Hauſes an ſein Arbeitszimmer ſtieß, legte ſich zu Bett und drückte ſeine fiebern⸗ den Schläfen in die Kiſſen. Und jetzt! war das nicht der Schritt einer Patrouille, welche die einſame Straße heraufkam! ſo lange er
hier wohnte— ſeit zwanzig Jahren— war keine Patrouille durch dieſe Straße gekommen! was hatte ſie hier zu thun, wenn nicht, ihn zu ſuchen?.. Ein paar Polizeibeamte marſchirten mit. in
gleichem Tritt... um ihn ſicher zu machen; aber ſo leicht überliſtet man mich nicht; ſo leicht fängt man mich nicht!
Mit einem Satze war der Stadtrath aus dem Bette bis an die Stelle der Wand, wo ſeine Piſtolen hingen— der Hahn knackte— „beim erſten Klopfen gegen die Hausthür oder die Fiſten ein Blitz, ein Knall— dann iſt's vorbei!“—
Aber die Patrouille marſchirte im gleichmẽhie Schritt vorüber und ihr Fußtritt verhallte am andern Ende der Straße. Der Stadt⸗ rath holte tief Athem, hing die Piſtole wieder an den Nagel und ſchlich ſich wieder in's Bett. Seine Zähne klapperten, ein wildes


