170 Die von Hohenſtein.
„Na!“ ſagte Köbes.
„Sie meinen: nicht?“
„Falſch angeſpannt!“
„Was heißt das?“ fragte Wolfgang, den dieſe ſeltſame Antwort eigenthümlich berührte.
Köbes wendete ſich halb um, zum Zeichen, daß er eine erſchöpfende Diskuſſion des angeregten Themas beabſichtigte und ſagte:
„Hohenſteins ſind Hohenſteins.“
„Das heißt, lieber Köbes?“
„Taugen nichts.“
„Ein ſchönes Kompliment für mich, der ich auch ein Hohen⸗ ſtein bin.“
„Adel iſt Adel,“ ſagte Köbes.
„Das heißt?“
Der alte Kutſcher hatte ſich wieder zu ſeinen Pferden gewandt und antwortete nicht. Wolfgang mochte ſeine Frage nicht wiederholen, um ſo weniger, als ſie jetzt von der Landſtraße auf die Chauſſee bogen, und mit der ſchnelleren Bewegung die Sehnſucht, möglichſt bald nach Hauſe zu kommen, mächtig in ihm erwachte. Die Bäume an der Wegſeite zogen langſam an ihm vorbei; es war Wolfgang, als ob die Fahrt ewig dauere. Sie kamen durch ein Dorf; faſt in allen Häuſern brannte noch Licht; in dem Wirthshaus ging es ſehr lebhaft zu. Als der Wagen ſchnell über das Fflaſter vorbei rollte, ſtürzten die Gäſte an die Fenſter und vor die Thür; Wolfgang hörte rufen: ſie kommen! und dann wieder:'s blos ein Wagen! Er wußte nicht, was das zu bedeuten hatte. Dicht hinter dem Dorf begegnete ihnen eine Proeeſſion, die quer über die Chauſſee zog:„Heilige Jungfrau, bitt' für uns! heiliger Sebaſtian, bitt' für uns!“— Das gab einen mehrere Minuten langen Aufenthalt. Kaum hatte der Wagen ſich wieder in Bewegung geſetzt, als ein dumpfer Donner, unter dem die Erde bebte, an Wolfgangs Ohr ſchlug. Der Donner kam näher, das Beben wurde ſtärker; ein Reiter im vollen Roſſeslauf ſprengte heran: Platz! Platz da! im nächſten Augenblicke kamen mehrere Geſchütze im ſchnellſten Jagen vorüber; der Mondſchein glitzerte auf den blanken Rohren und auf den Waffen der Reiter; die


