Teil eines Werkes 
7. Band, Die von Hohenstein : Roman : 1. Band (1867)
Entstehung
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26 Die von Hohenſtein.

konnten. Der Alte war heute fürchterlicher als je; grob gegen die Männer, eyniſch gegen die Frauen, voller Hohn gegen die ganze Sippe, Camilla ſelbſt nicht ausgenommen, obgleich er dieſer jungen Dame von Zeit zu Zeit in die Wangen kniff und ſie„kleine, hübſche Here“ nannte. Er führte beinahe allein das Wort, erzählte aus ſeinen Kriegszügen lange, ausführliche Geſchichten von Plünderung und andern Gräueln, deren bloße Erwähnung in einer Geſellſchaft, in welcher Damen anweſend ſind, jeder Gebildete gern vermeidet; kam dann auf die Zeit nach dem Kriege zu ſprechen, wo er mit dem vom Vater ererbten Vermögen und reichen Beutegeldern Rheinfelden und die umliegenden Güter kaufte, zu derſelben Zeit, als ſein Bruder, der Vater der Geſchwiſter Hohenſtein, Oberpräſident der Provinz wurde. Und nun kam aus der Familiengeſchichte das Capitel, das jeder der Anweſenden bereits auswendig wußte, ſo oft hatte es der Alte mit ſtets neuem Entzücken erzählt, das Capitel von dem immer wachſenden Reichthum des Generals und der allmäligen Verarmung des Oberpräſidenten.

„Und woher kam das, Nichte Selma? Will's Ihnen erzählen. Weil mein armer Teufel von Bruder ein ungeheuer hochadeliges, hochnäſiges Fräulein geheirathet hatte, das keinen rothen Dreier im Vermögen, dafür aber— können Sie ſich denken, Nichte Clotilde, daß es wirklich ſolche Menſchen giebt?— ein eminentes Talent beſaß, das Geld unter die Leute zu bringen, und das ebenſo bedenkliche, ihre Familie aus ſich ſelbſt zu rekrutiren, alle Jahr im Herbſt eine neue Aushebung! Wie viel waret Ihr doch in Allem, Philipp?“

„Acht,“ flüſterte der Präſident.

„Und jetzt drei; und ich alter Kegel ſtehe noch immer da und werde auch wohl noch hoffentlich einen oder den andern neben mir umpurzeln ſehen. Aber woher kommt das? Weil ich mir die Frauen⸗ zimmer vom Leibe gehalten habe, zum wenigſten nicht ſo dumm ge⸗ weſen bin, eine zu nehmen, die ich nicht wieder wegſchicken konnte, wenn ſie mir unbequem wurde.“

In dieſem Tone ging es weiter, bis eine gelegentliche Erwäh⸗ nung der augenblicklichen politiſchen Zuſtände den Andern Gelegenheit gab, auch einmal zu Wort zu kommen; eine Gelegenheit, die vor Allem