Röschen vom Hofe.
Roſe ſank in den Stuhl, auf welchem ſie ſaß, zurück, bedeckte ihr Geſicht mit den Händen und ſchluchzte leiſe..
Der Doctor ſtand auf, ſtrich ihr über das ſchöne lockige Haar und ſagte:
„Nun, nun, meine kleine Heldin! man muß auch das Glück er⸗ tragen können!“
Dreiundzwanzigſtes Capitel.
Die Prophezeiung des guten Arztes, daß der Vater, wenn die Kriſis günſtig ausfiele, als ein Anderer erwachen würde, war in einer merkwürdigen Weiſe eingetroffen. Wer ihn in der Nacht des Brandes geſehen hatte hoch aufgerichtet daſtehend, oder mit großen Schritten ſich durch die Menge bewegend und mit lauter, kräftiger Stimme Befehle ertheilend, würde ihn jetzt kaum wieder erkannt haben. Sein graues Haar war in den wenigen Wochen ſchneeweiß geworden; ſeine Züge hatten viel von dem herben und ſtrengen Ausdruck verloren; ſelbſt ſeine Stimme hatte einen weicheren Klang bekommen, und ſeine Geſtalt, wie er jetzt, in den langen, pelzgefütterten Hausrock gehüllt, in dem Lehn⸗ ſtuhle an dem Kamine ſaß, ſah bei weitem nicht ſo ſtattlich wie ſonſt, ja manchmal recht verfallen aus. Dagegen war ſein Gemüth nicht mehr wie ehemals von leidenſchaftlichen Wogen zerwühlt; die Zornes⸗ ader, die ſonſt bei der kleinſten Veranlaſſung ſchwoll, war jetzt wie weggelöſcht von der weißen, hohen Stirn; die ganze Gutheit und Lie⸗ benswürdigkeit ſeiner Natur trat in einer Weiſe hervor, die Alle, welche ihm, wie der brave Doctor, früher weniger nahe geſtanden hatten, mit Bewunderung erfüllte, und Roſe oft bis zu Thränen rührte.
Seine geiſtige Kraft hatte ſich ſchnell wieder eingefunden; ja dieſe
Flamme ſchien jetzt mit einem helleren und reineren Lichte zu brennen.
Merkwürdigerweiſe hatte er ſehr wenig zu fragen, denn er hatte durch alle Träume und Delirien ſeiner Krankheit die Erinnerung der Wirk⸗


