Teil eines Werkes 
6. Band (1867) Röschen vom Hofe / von Fr. Spielhagen
Entstehung
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Röschen vom Hofe. 143

Der brave Mann, der ſelbſt in den ſchlimmſten Lagen ſeinen kleinen Scherz machen mußte, nannte ſie ſeinenHerrn Aſſiſtenten und be⸗ hauptete, daß Aesculap einen ausgezeichneten Jünger an ihr verloren habe. Ja Roſe fand noch Zeit, ihr Pflegekind zu beſuchen, das jetzt unter der Obhut einer treuen Magd ſchlummerte, während Frau Wenzel, ebenſo wie Roſe, ihre Sorge zwiſchen den beiden Kranken theilte.

Der gute Arzt blieb die ganze Nacht und ging erſt gegen Morgen, um ſich einige Stunden der Ruhe zu gönnen, deren er ſo ſehr be⸗ durfte. Er hatte Roſen überreden wollen, ſich ebenfalls niederzulegen, da Frau Wenzel und der Diener des Grafen(ein anſtelliger und ver⸗ läßlicher Mann, den man von Lengsfeld hatte kommen laſſen) zur Bewachung der Kranken hinreichten; aber Roſe ſagte, daß ſie vor⸗ läufig noch Kraft genug fühle und warten wolle, bis die Reihe auch an ſie komme.

So blieb ſie auf und ſah, bald an dem Bette des Vaters, bald an dem des Grafen ſitzend, den grauen Morgen durch die Fenſter dämmern. Die alte Frau Wenzel, die bei dem Herrn blieb, und der Diener, der in dem Zimmer des Grafen war, nickten in ihren Stühlen; aber Roſen war, als wenn ſie wachen müſſe, bis Alles entſchieden ſei, um dann zugleich mit den Geliebten in ewigen Schlaf zu ſinken. Sie hatte keine Hoffnung, daß ſie wieder geſunden könnten; ja es überkam ſie manchmal die Empfindung, als wünſchte ſie es kaum. Aus dem unſeligen Labyrinth ihres Lebens gab es ja keinen underen Ausweg als den Tod. Und ſollte ſie die Ueberlebende ſein? den Vater, den

Gatten begraben und weiter leben, als wäre eben nichts geſchehen?

als wären ein paar Uhren ſtehen geblieben? Der Gedanke erſchien ihr feige, ſchmachvoll, einer ſtarken Seele unwürdig.

Was konnte dem Vater ſelbſt erwünſchter kommen, als jetzt zu ſterben, bevor der letzte Act des Trauerſpiels begonnen? Roſe zitterte, wenn ſie ſich dachte: den aus ſeiner Bewußtloſigkeit Erwachenden könne der Haftbefehl, welchen er ſo lange gefürchtet hatte, nun wirk⸗ lich erwarten.

Würde dem Grafen der Tod jetzt beſonders ſchmerzlich ſein? Er hatte in dem Delirium, das gegen Morgen bei ihm eintrat, ohne ſie zu erkennen, und ohne ihren Namen zu nennen, fortwährend mit ihr