Röschen vom Hofe.
die Pferde an, unbekümmert um den Mann, der noch hoch oben auf der ſchwankenden Leiter hängt.
In dieſem Augenblicke kommt Herr von Weißenbach, der, an dem andern Ende des Hofes beſchäftigt, erſt jetzt die Gefahr, in welcher das Herrenhaus ſteht, erfahren hat, herbei. Seine ſcharfen alten Augen überſehen mit einem Blick die ganze Situation; vor allem die Gefahr des Mannes auf der Leiter. Er ſpringt in den Raum zwiſchen Leiter und Pferden unter die krachende Kette, mit der Hand zu dem Manne hinaufdeutend, und den Menſchen, die wie unſinnig auf die Pferde ſchlagen, zurufend, daß ſie warten müßten, bis ſich der Andere gerettet habe. Aber es iſt zu ſpät. Krachend reißen oben die Balken und ſtürzen in den Hof, mit ihnen in gewaltigem Schwunge die Leiter und der Mann. Die Balken praſſeln um Herrn von Weißenbach, der wie durch ein Wunder unverletzt geblieben iſt und ſich jetzt über den Unglück⸗ lichen beugt, den die umſtürzende Leiter bis vor ſeine Füße geſchleudert hat. Er kniet nieder und richtet das blutende Haupt in die Höhe, ſtreicht dem Zerſchmetterten das Haar von der Stirn. Man eilt herzu und nimmt den Körper aus ſeinen Armen. Herr von Weißenbach richtet ſich wieder auf und ſagt:„Es iſt der Herr Graf von Lengsfeld; man trage ihn ſofort in das Haus und laufe nach dem Doctor!“
Er hat noch eben Kraft gehabt, dieſe Worte zu ſprechen. Dann ſauſt es in ſeinen Ohren; in ſchwarze Nacht taucht Alles, was er um ſich ſieht, und ohnmächtig fällt er Denen, die um ihn herſtehen, in die Arme.
Roſe hatte die Befehle des Vaters mit einer Gelaſſenheit, über die ſie ſich ſelbſt wunderte, ausgeführt. Ihre einzige Sorge war, daß der Vater bei ſeiner Leidenſchaftlichkeit zu Schaden kommen könnez aber, was ſollte ſie thun? Der Vater durfte nicht von dem Kampfe, den man draußen mit den Elementen um ſein Eigenthum kämpfte, weg⸗ bleiben— das ſagte ſich Roſe ſelbſt.
So blieb ihr denn nichts übrig, als für ihr Theil ſich auf das Schlimmſte gefaßt zu machen. Mit Hülfe des alten Wenzel und der Magd ſchaffte ſie die ſchon gepackten Koffer des Vaters nach unten auf den Flur, damit ſie von dort ohne Mühe in Sicherheit gebracht werden könnten. Dann ging ſie in ihr Zimmer und nahm der Alten das Kind


