Röschen vom Hofe. 115
auch ohne ihn Carrière machen, beſonders wenn er fortfährt, der Re⸗ gierung zu vpponiren. Aber die Verbindung mit einer Familie von altem Adel, das geſtehe ich ganz offen, mein Fräulein, würde mir in meiner Carridre ſehr förderlich ſein. Und damit und mit meinem Bermögen werde ich es noch zum Biſchof bringen, verlaſſen Sie ſich darauf. Es kommt blos darauf an, daß Sie Ja ſagen, mein Fräu⸗ lein! Aber gewiß, Sie werden nicht Nein ſagen! Sie werden ja gegen den Bauernſohn nichts haben, da Sie ſich nicht geniren, ein Tagelöhnerkind in Ihren Armen über die Gaſſe zu tragen. Nicht wahr, mein Fräulein?“
Roſe hatte ſich bei den letzten Worten des Paſtors ſchnell erhoben, der Paſtor ebenfalls, und dann war er ein paar Schritte zurückge⸗ treten. Er konnte Roſe's Geſicht jetzt deutlicher ſehen, und was er ſah, erfüllte ihn mit Schrecken.
Roſe zitterte vom Kopf bis zu den Füßen; ſie war bleich, ihre Angen ſtanden voll Thränen; ihr Buſen hob und ſenkte ſich ungeſtüm; ihre Lippen zuckten; ſie wollte ſprechen, aber ſie konnte nicht; ſie konnte nur den Arm heben und auf die Thür deuten.
„Aber mein Fräulein,“ ſagte der Pfarrer, der nun auch bleich geworden war;„Sie werden doch nicht einen Freund—“
Roſe richtete ſich zu ihrer ganzen ſtolzen Höhe auf und wieder⸗ holte ſo gebieteriſch ihre Geberde, daß der Paſtor, ſeine ſchwarzen Handſchuhe zwiſchen den Fingern zuſammendrückend und unver⸗ ſtändliche Worte durch die Zähne murmelnd, ſchleunigſt das Zimmer verließ.
Neunzehntes Capitel.
Roſe hörte, daß der Paſtor zum Hanſe hinausging. Als die Hofthür hinter ihm zufiel, riß ſie das Fenſter auf, um eine andere Luft zu athmen, als die, welche durch die Gegenwart und den Mund des Verhaßten verunreinigt war. Die feuchte Kühle draußen that
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