Teil eines Werkes 
6. Band (1867) Röschen vom Hofe / von Fr. Spielhagen
Entstehung
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Röschen vom Hofe. 53

anderen Geſchmackloſigkeiten des vorigen Jahrhunderts war dem Grafen ein Gräuel, weil alle dieſe Anlagen das genaueſte Gegentheil des regelloſen, verwilderten Parks von Weißenbach waren, deſſen roman⸗ tiſches Dunkel Roſe ſo ſehr liebte. Er hätte dies Ungeheuer von Garten mit Stumpf und Stiel ausrotten mögen, wenn ſich Buchen und Eichen ſo leicht wie Schränke und Trumeaux aufſtellen und Blumenbeete ſo bequem hinbreiten ließen wie geblümte Teppiche. Der Graf ſeufzte und nahm ſich vor, ſeine Geſellſchaft möglichſt lange im Hauſe feſtzuhalten und erſt bei Sonnenuntergang, wo der feiſte Garten ein gewiſſes melancholiſch⸗freundliches Anſehen bekam, die Flügelthüren nach der Terraſſe zu öffnen.

Nach Tiſch, bei welchem der Graf(wie die alte Haushälterin kopfſchüttelnd bemerkte) kaum einen Biſſen angerührt hatte, beſuchte er noch die Gewächshäuſer und ſeinen Pferdeſtall, mit dem er vor den Augen des Herrn von Weißenbach Gnade zu finden hoffte. Er klopfte ſein Lieblingspferd— eine braune Berberſtute, die ihm ſein Gaſtfreund, der Baſch⸗Aga⸗El⸗Mokrani in Algerien, geſchenkt hatte— zärtlich auf den gebogenen Hals, und das edle Thier rieb den feinen Kopf an ſeiner Schulter und blickte ihn mit den großen Gazellen⸗ augen fragend an, ob es heute keinen Galopp über die Stoppelfelder weg nach Weißenbach gebe.„Es kommt heute noch beſſer, Zuleika,“ ſagte der Graf,„viel beſſer,“ und das Pferd nickte mit dem Kopf und klirrte mit den Halfterketten, als ſei ihm nun klar geworden, um was es ſich handelte.

Der Graf hatte mehrmals auf der Zunge gehabt, zu fragen, ob er nicht ſeine Gäſte von Weißenbach mit ſeinem Wagen abholen dürfe, denn er hatte wirklich einige Sorge, daß die alte Familien⸗ kutſche unter dem offenen Schuppen nicht mehr ganz ſicher in den Federn und Achſen ſein möchte; auch war ihm der böſe Wille des ſtarkknochigen Rappen, die alte Kutſche bei der erſten Gelegenheit in den Graben an der Seite des Weges zu werfen, kaum zweifelhaft. Trotzdem hatte er nicht gewagt, ſeine Bitte auszuſprechen. Herr von Weißenbach prahlte weder mit ſeiner Armuth, noch ſuchte er ſie zu verbergen, aber man fühlte doch, daß dies eine wunde Stelle in ſeinem Gemüthe war, deren leiſeſte Berührung er für eine ſchwere Beleidigung