Röschen vom Hofe. 5¹
Meuntes Capitel.
Der Graf hatte in dem Eifer, mit welchem er den Plan, das Schloß ſeiner Väter in einen behaglichen Zuſtand zu verſetzen, er⸗ griffen hatte, nicht nur nicht nachgelaſſen, ſondern das Werk in immer größerem Maßſtabe betrieben und mit ſolcher Energie gefördert, daß nach Verlauf von ſechs Wochen der Architekt, den er aus der Stadt hatte kommen laſſen, ſeine Arbeit als vollendet anſehen konnte. Der Graf überſchüttete den beſcheidenen jungen Mann mit Beweiſen ſeiner Zufriedenheit und Dankbarkeit. Der Architekt wußte nicht, daß der Graf ihm nicht ſowohl ſeine Leiſtungen bezahlte, als vielmehr die Freude, die er in der ſüßen Erwartung empfand, am nächſten Tage dem geliebten Mädchen dies Alles zeigen zu können. Schon ſeit einer Woche nämlich war es beſtimmt, daß am Sonntag Nachmittag die Freunde von Weißenbach nach Lengsfeld zum Beſuch kommen ſollten. Roſe hatte erklärt, daß ſie große Toilette machen und ſehr indignirt ſein würde, wenn nicht Alles, aber auch Alles ohne Ausnahme auf Lengsfeld ebenfalls große Toilette gemacht hätte. In Folge dieſer Drohung war der Graf an dem Morgen des längſt erſehnten Tages zu einer ungewöhnlich frühen Stunde auf und begann von ſeinem Schlafzimmer aus die Runde durch das Haus. Der junge Architekt, dem immer und immer wieder eingeſchärft war, nur ja keine Koſten zu ſcheuen, hatte bewieſen, daß er den Wünſchen ſeines Bauherrn nachzukommen wiſſe und bei der Decoration des neuen Luſtſchloſſes des Herzogs, welche er ſo eben unter Aufſicht des Ober⸗Landesbauraths vollendet hatte, eine gute Schule durchgemacht habe. Wo die Läden der Reſidenz des kleinen Landes nicht ausreichten, hatte er an die Magazine der Hauptſtadt des großen Nachbarſtaates, mit denen er in Verbindung ſtand, telegraphirt, die ſich ihrerſeits beeilt hatten, ſo glänzende Beſtellungen ſchleunigſt auszuführen. Was den Reichthum der Einrichtungen betraf, ſo war— wie dem Grafen jetzt auffiel— nach dieſer Seite wohl faſt zu viel geſchehen; er glaubte, während


