Röschen vom Hofe.
eine Muſik liege, die freilich, wie alle Poeſie und alle Muſik, nicht für Jedermann verſtändlich und vernehmbar ſein möge.
Noch manche ähnliche naive Bekenntniſſe, die ſie bis dahin Nie⸗ mand, außer ſich ſelbſt, gemacht, legte Roſe in den Geſprächen mit dem Grafen ab. Wie ein warmer Frühlingstag die Welt, die nur darauf geharrt hat, mit Knospen und Blüthen üherſchüttet, ſo brachte die Gegenwart des Grafen Alles zur Reife, was, Roſen ſelbſt un⸗ bewußt, in dem bunten Treiben des Hofes, in der keuſchen Einſam⸗ keit der darauf folgenden ſtillen Jahre langſam, folgerichtig und dabei in reichſter Fülle in ihrer großen und edlen Seele ſich entwickelt hatte. Ihr war dabei zu Muth, als ob die Himmel ſich öffneten und Engel⸗ chöre Freude und Friede auf Erden herabſängen. Sie hatte das Leben und die Menſchen noch nie ſo geliebt, als jetzt, beſonders ihren guten alten Vater, den ſie mit Zärtlichkeiten und Aufmerkſamkeiten überſchüttete. Hatte der Vater doch die Liebe ſeines Kindes jetzt doppelt nöthig. Der Proceß, welcher ſich aus dem Bankerott der Creditbank entwickelt hatte, war in ein neues Stadium getreten. Man war bis zur Verhaftung des Hauptdirectors geſchritten und hatte jede Caution zurückgewieſen. Es war nicht unmöglich, daß Herr von Weißenbach zum Zeugen würde aufgerufen werden. Dieſer Gedanke ſchien ihm ſehr peinlich zu ſein, obgleich er mit Niemand darüber ſprach, es hätte denn mit dem Paſtor ſein müſſen, der in jüngſter Zeit freilich ſeltener kam, immer aber noch zu oft für Roſe, die ihn nicht leiden konnte und die ſichtbare Vorliebe, welche der Vater für ihn an den Tag legte, unbegreiflich fand. Dies waren denn aber auch die einzigen Wolken in Roſe's Gemüth, in dem es ſonſt ſo licht und ſonnig war, wie an einem Maienmorgen, wenn die Lerchen ſingen und die Schmetterlinge ſich über blühenden Wieſen und knospenden Wäldern in den blauen Lüften wiegen.
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