36 Röschen vom Hofe.
ermüdlichkeit und Jagdeifer wurden auf die allerhärteſten Proben ge⸗ ſetzt und dabei bekam der Arme im Laufe eines Vormittags ſo viel böſe Worte zu hören, als ſonſt nicht im Verlauf einer ganzen Woche. Aehnliche Erfahrungen machte die alte Haushälterin, die bis dahin den Herrn Grafen für einen Engel gehalten, machten die Handwerker, die, wie es ſich jetzt herausſtellte, ganz gedankenloſe Menſchen waren und den Herrn Grafen mit beleidigender Conſequenz in ſeinen An⸗ ordnungen mißverſtanden hatten. Schließlich befahl der Graf ſeinem Diener, auf morgen früh die Sachen zu packen, damit ſie endlich ein⸗ mal wieder aus der langweiligen Gegend fortkämen; und als der Mann ſich, höchlichſt verwundert über dieſen unerwarteten Befehl, entfernte, rief ihm ſein Herr nach:„Und dann ſagen Sie, daß man den Braunen ſattelt— und, hören Sie, der Reitknecht kann mitkommen— er ſoll den Fuchs nehmen.“
Sechstes Capitel.
Der Graf ſtieg auf, galoppirte vom Hofe nach einem Vorwerk, wo eine Scheune gebaut wurde, hielt aber dort auch nicht einen Augen⸗ blick an, ſondern galoppirte weiter in einen Feldweg hinein, zuletzt als der plötzlich ein Ende nahm, querfeldein, bis er auf einem großen Umwege von der entgegengeſetzten Seite nach Weißenbach gelangte. Dort wandte er ſich zum erſten Male nach dem Reitknecht, der ſeinem
Herrn nur mit Mühe hatte folgen können, um und fragte, ob er
wiſſe, wo der Gutshof liege? Der Mann wußte es; er war ſchon ein paarmal in Weißenbach geweſen. Vor dem Thore des Hofes an⸗ gelangt, hielt der Graf an, blickte zu den Linden empor, am Hauſe mit den verſchloſſenen Jalouſien hinauf, ſchien unſchlüſſig, ob er weiter
reiten ſolle oder nicht, ſprang dann mit einem ſchnellen Entſchluſſe aus dem Sattel, warf dem Reitknecht die Zügel ſeines dampfenden


