Röschen vom Hofe.
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einmal lernen, was wir Fürſten ſo früh lernen müſſen, daß wir unſere Kinder der Welt ſchuldig ſind.“
„Die Herzogin durfte das nicht ſchreiben, und ich wollte Dir deßhalb auch gar nicht den Brief geben,“ erwiderte Roſe eifrig. „Die Herzogin hat gut reden; lieb, wie ich ſie habe, und gut, wie ſie iſt; aber, was Unglück iſt, das weiß ſie doch nicht, kann ſie nicht wiſſen. Sie ahnt deßhalb auch kaum, was ich Dir bin und was Du opferſt, wenn Du mich von Dir ſchickſt. Ja, mein lieb' Väterchen, ich wiederhole es: von Dir ſchickſt, denn ich gehe nicht von Dir, aus freien Stücken nicht.“
„Aber es iſt ja nur von wenigen Tagen, höchſtens von einigen Wochen die Rede,“ ſagte Herr von Weißenbach.
„Und wäre es auch nur auf ſo kurze Zeit,“ erwiderte Roſe, die ſich immer mehr in Eifer hineinſprach:„ich gehe doch nicht. Warum ſollte ich gehen? ich will einmal annehmen, daß Du mich entbehren könnteſt,— was nicht der Fall iſt, Väterchen— nein, nein, nein! nicht der Fall iſt!— aber was könnte mich beſtimmen, unſern Hof mit dem herzoglichen zu vertauſchen? Hier bin Herzogin und unum⸗ ſchränkte Gebieterin. Das Kleid, das ich hier trage, iſt ſtets nach der neueſten Mode, als wäre es ein eben von Paris gekommenes Modell; dort würde ich mich mit meinem antiquirten Staat wie ein Aſchenbrödel ausnehmen. Hier bin ich reich, ſo reich, daß ich den Armen wie die Vorſehung erſcheine, dort bin arm; hier gefalle ich mühelos Jedermann, dort iſt ein ewiger Wettkampf um die Palme der Anerkennung, die nicht immer der Würdigſten zu Theil wird; hier erfreue ich mich des ununterbrochenen Verkehrs mit einem gewiſſen Herrn, den ich von jeher für den erſten Gentleman der Welt ge⸗ halten habe; dort bewegt man ſich in einer Geſellſchaft von Kraut⸗ junkern und Hofſchranzen, die mich langweilen, da ſie weder Kenntniſſe noch Verſtand haben, oder von Künſtlern und Gelehrten, die durch ihre Formloſigkeit meinen Geſchmack beleidigen. Nein, nein, Vater, ich kenne dieſe Welt zu gut, als daß ich wünſchen ſollte, mich ohne Noth wieder hineinzumiſchen. Nein, nein! An's Väterchen, an's
theure ſchließ' Dich an, das halte feſt mit Deinem ganzen Herzen. Hier ſind die ſtarken Wurzeln Deiner Kraft.“


