Röschen vom Hofe.
und wenn er ſich einmal im Dorfe ſehen läßt, ſich vor ihm bücken, als ob's der Herrgott ſelber wäre, und ſeine Tochter„das Fräulein vom Hofe“, und wenn ſie's recht gut meinen,„Fräulein Röschen vom Hofe“ nennen, als ob wir nicht alle freie Männer wären, die dem Staat ihre Steuern zahlen und ſich den Kukuk um einen anderen Hof, als um ihren eigenen, zu ſcheren brauchen.“
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Zweites Capitel.
Es iſt nicht wahrſcheinlich, daß Fräulein Roſe von Weißenbach an dem Unglück, dann und wann„Fräulein Röschen“ genannt zu werden, ſehr ſchwer trug, oder ihr Schritt hätte nicht ſo elaſtiſch ſein können, als ſie an einem wundervollen Spätſommermorgen die lange Allee des Parkes hinab nach ihrem Lieblingsplätzchen ſchritt, um dort, wie ſie es an ſchönen Tagen zu thun gewohnt war, ein Stündchen „ zu leſen, zu ſinnen und zu träumen. Die Allee beſtand aus ſehr t großen und ſchönen Buchen, die mit ihren mächtigen Aeſten faſt den ganzen breiten Weg überwölbten. Nur hier und da fiel ein Sonnen⸗ ſtrahl durch das dichte Laubdach auf den Boden und auf die junge Dame, vie, ſich der Kühle frenend, am linken gebogenen Arm das Körbchen mit ihrem Buche tragend, in der rechten Hand den breit⸗ rändrigen Strohhut hin und her bewegend, bald zu den Wipfeln der Bäume hinauf⸗, bald die lange Vista, die zuletzt in die ſonnige Land⸗ ſchaft wies, hinabblickend, ein gar anmuthiges Bild für den abgegeben haben würde, der ſie ſo, raſchen Schrittes, in hellem Gewande zwiſchen den mächtigen dunkeln Stämmen hätte dahinſchweben ſehen. Aber es ſah ſie Niemand, und die junge Dame dachte auch an nichts weniger, als daran, geſehen und beobachtet zu werden. Seit den zwei Jahren, daß ſie jetzt Tag für Tag den Park durchſtreift batte, war ſie außer dem alten Diener Wenzel, der manchmal mit der Flinte„revierte“ (weil er die lange Liſte ſeiner Functionen ohne das Amt eines Förſters und Holzwarts nicht für vollſtändig erachtete) und dann und wann


