Teil eines Werkes 
6. Band (1867) Röschen vom Hofe / von Fr. Spielhagen
Entstehung
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Röschen vom Hofe.

Zorn wurde und in das Haus lief und eine Flinte holte und ſchrie: wer ihn für einen Betrüger halte, den wolle er todt ſchießen wie einen Hund. Da ſind ſie weggelaufen und ich allein konnte es natürlich auch nicht durchſetzen. Aber Hochmuth kommt vor dem Fall. Als die Zinsablöſung kam und der Herr von Weißenbach uns nicht mehr des Freitags vor ſeinen Amtmann auf den Hof citiren und uns in's Loch ſtecken konnte, wenn's ihm beliebte, hat er erſt alle unſere ſchönen Thaler eingeſackt und ſeine zwei andern Rittergüter verkauft, und den Hof hier würde er auch verkauft haben, blos daß keine Ländereien

dabei ſind und Niemand auf das alte Haus etwas bieten wollte, denn

der große Park hinter dem Hauſe iſt auch meiſtens nur ſchlechtes Holz und wir haben vom Walde herunter das Holz hier billig genug, Gott ſei Dank. So hat er denn den Hof behalten, und er kann jetzt froh ſein, daß er keinen Käufer dafür gefunden hat, denn es iſt hinterher Alles anders gekommen, als ſich der gnädige Herr dachten. Sie waren nämlich in die Stadt gezogen, der gnädige Herr und das Fräulein, und wollten da herrlich und in Freuden leben. Aber was geſchieht? Der Herr von Weißenbach legt ſein Geld in der neuen Creditbank an, und denkt wahrſcheinlich, es würde ſich da verdoppeln und verdreifachen, und hop, heiſa, weg war, was er hatte, und die Leute ſagen, mehr noch, als er hatte. Und eines ſchönen Abends es ſind nun juſt zwei Jahre und ich ſtand hier vor der Thür und ſah nach der Poſt aus, da kamen ſie wieder an, aber nicht, wie ſie weggefahren waren, in ſchöner Equipage mit vier Apfelſchimmeln,

ſondern in einer alten Karrete mit einem Pferde davor, das früher des gnädigen Herrn Reitpferd geweſen und während der fünf Jahre,

die es in der Stadt im Stall geſtanden, auch gerade nicht jünger

und beſſer geworden war. Seitdem leben ſie auf dem Hofe, wovon, mag der Himmel wiſſen, in mein Haus haben ſie wenigſtens noch keinen Groſchen gebracht, trotzdem ich das beſte Bier zwei Meilen in

der Runde braue und das ganze Dorf von mir Zucker, Kaffe und Cichorien kauft. Nun, mir kann es recht ſein, ich kann ohne die adligen Hungerleider fertig werden; ich habe auch meinen Stolz und ziehe meine Mütze, vor wem ich will, und mache mich nicht gemein, wie meine ern die noch immer vomgnädigen Herrn ſprechen,