Röschen vom Hofe.
Dorfgaſſen umgaben, darauf hin, daß hinter dieſer Kette eine andere Welt lag, als diejenige, aus welcher die zerlumpten, fröhlichen, hungri⸗ gen Geſchöpfe ſtammten, die ſich oft ſtundenlang auf den kreiſchenden Seilen ſchaukelten.
Heffnete man die kleinere, in den großen Thorflügel geſchnittene Thür, um einen Blick in das Innere des Gehöftes zu werfen, ſo war
auch da ſehr wenig, was die Neugierde hätte reizen können: eine mit einem eiſernen Geländer verſehene Treppe, die zu einer Eſtrade hinauf⸗ führte, auf welcher einige grün angeſtrichene Bänke ſtanden und von der man durch eine reichgeſchnitzte Eichenthür in den Hausflur trat; in der Mitte des Hofes ein runder, überdachter Brunnen mit einer primitiven Vorrichtung zum Hinunterlaſſen und Heraufholen des Waſſereimers; über der Thür des Inſpectorhauſes ein ungehenres Hirſchgeweih; unter einem nach den Seiten zu offenen Schuppen ein Leiterwagen und eine alte gichtbrüchige Kutſche, auf deſſen Stange ein ſchöner Pfau ſaß; im Hintergrunde einige aus Stein aufgeführte, der Reparatur ſehr bedürftige Wirthſchaftsgebäude, die ein⸗ für alle⸗ mal in Ruheſtand geſetzt ſchienen und über deren vielfach geflickte Ziegeldächer die hohen Wipfel ſtattlicher Parkbäume ragten. Und doch fühlte ſich der ſinnige Wanderer ſeltſam durch dieſen Anblick berührt. Der Sonnenſchein, der um die grauen Mauern wogte, das Gras, das in langen Halmen zwiſchen den Pflaſterſteinen des Hofes in dem Abendwinde nickte, die Schwalben, welche, ihre halbflüggen Jungen in den Neſtern unter dem Giebel des Wohnhauſes fütternd, lautlos hin und wieder flogen,— manch Einem, der eine Minute durch die Thür geſchaut hatte und ſie Fn leiſe wieder zumachte, war es, als ob er eine Seite in einem hübſchen alten Märchen geleſen hätte. Warum nun Alt und Jung und Mann und Frau und Kind im Dorfe dieſes Gehöft ſchlechtweg„den Hof“ nannten, das konnte der Wanderer an dem entgegengeſetzten Ende des Dorfes erfahren, wenn er in das Wirthshaus„Zum Rothen Hirſchen“ einkehrte. Denn der krausköpfige Wirth zum Rothen Hirſchen war ein kluger Mann, der nicht blos Alles, was in ſeinem Dorfe vorging, wußte, ſondern auch ſo ziemlich das, was in der übrigen Welt geſchah, und dem es blos an der nöthigen Gelegenheit gefehlt hatte, um die große hiſtoriſche


