Teil eines Werkes 
6. Band (1867) Röschen vom Hofe / von Fr. Spielhagen
Entstehung
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Erſtes Capitel.

An dem Ende des Dorfes, da, wo die Landſtraße nach dem Gebirge allmälig zu ſteigen beginnt, lag rechtsder Hof. Der Hof war ein Complex von Gebäuden: Wohnhaus, Inſpectorhaus, ein paar Ställe und Scheunen, deren Zwiſchenräume von einer hohen Mauer aus behauenen Feldſteinen ausgefüllt waren. Wer auf ſeiner Tour vom Gebirge in's Thal auf dem gut chauſſirten Wege im Wagen raſch durch die Dorfſtraße rollte, konnte, wenn er ſich nicht eines beſonders ſcharfen Auges für die Einzelnheiten der Umgebung erfreute, nichts an dieſemHofe bemerken, was ihn von den übrigen, deren das Dorf mindeſtens zwanzig zählte, weſentlich unterſchieden hätte; der junge Student aber, oder der Landſchafter, der zu Fuß reiſte und alſo nicht verhindert war, genauere Beobachtungen anzu⸗

ſtellen, ſah gar bald, daß derHof kein gewöhnlicher Bauernhof

war. Da waren zuerſt die zwei Linden, die rechts und links vor dem Eingange in das Gehöft ſtanden und die mindeſtens ſo alt ſein mußten, wie die Inſchrift über dem Spitzbogenthor(in welcher man nicht ohne einige Mühe die Lettern A. D. und die Ziffern 1½652½ erkannte), und das Wappen über der Jahreszahl, dem Regen, Wind und Wetter ſo arg mitgeſpielt hatten, daß außer dem Ritterhelm, der das Ganze krönte, wenig mehr daran zu erkennen war. Sodann deutete auch die Reihe ſteinerner, mit einer ſchweren, verroſteten,

eiſernen Stachelkette verbundener Pfeilerchen, welche den Hof nach der

Landſtraße und ebenſo auf der anderen Seite nach einer der ſchmalen Fr. Spielhagen's Werke. vI. 1