In der zwölften Stunde. 247
nicht auch Andern zu Theil werden könnte? ja, und ſo recht eigentlich erſt in dem Glück der Andern glücklich war? Welches Glück haſt Du denn in dieſe Familie gebracht? Du haſt einen edelherzigen, braven Mann zum Leben hinausgetrieben; haſt die Kinder ihres Vaters be⸗ raubt; und haſt Du denn bei alledem, worauf es Dir allein anzu⸗ kommen ſcheint, Mrs. Durham glücklich gemacht? Könnt ihr euch wahrhaft eures Glückes erfreuen, das ihr mit dem Tode eines braven Mannes erkauft habt? wird die Erinnerung an ihn euch nicht aus den ſüßeſten Träumen aufſchrecken? und was ſoll Deine Geliebte er⸗ widern, wenn die Kinder einſt vor ſie hintreten und fragen: Mutter, wo iſt unſer Vater?“
Mit ſolcher Wärme hatte Benno vielleicht in ſeinem Leben noch nicht geſprochen und ſeine Argumente verfehlten keineswegs ihre Wirkung auf Sven. Aber gerade weil dieſer fühlte, daß er Benno mit Vernunftgründen nicht widerlegen könne, erwiderte er mit um ſo größerer Heftigkeit:
„Wie kannſt Du mich verantwortlich machen für die Folgen eines Verhältniſſes, das von vornherein den Keim des Verderbens in ſich trug? Das eben iſt der Fluch der böſen That, daß ſie fortwährend Böſes muß gebären. Wehe dem, der zwiſchen zwei Menſchen ſteht, welche die Natur für einander geſchaffen hat! Wehe dem, der ſich zwiſchen zwei Flammen wirft, die unaufhaltſam zu einander hin⸗ ſtreben! Er darf ſich nicht beklagen, wenn er von der Glut verzehrt wird.— Nein, Benno, nein! trotz allem, was Du ſagen magſt!— er mußte ſterben. Er war nicht der Mann, ein Gut, das er einmal beſaß, in den Augen der Welt wenigſtens beſaß, aus freien Stücken aufzugeben, nun wohl! ſo weiß ich eben keinen andern Ausweg, als daß er ſterben mußte,— nicht für mich! ich will ja nichts für mich; aber für ſie, damit ſie endlich einmal wieder frei in's Leben blicken könnte, und ſich dem Manne eignen, den ſie wahrhaft lieben darf, weil er ſie wahrhaft verſteht. Daß ich der Mann bin, iſt ein Zufall. Ich habe ein ſo großes Glück nie erſtrebt, nie gehofft; aber da ich es einmal bin, durch ihre freie Wahl bin, ſo will ich es auch ſein, trotz aller Philiſter, die ja von jeher das Recht hatten, ſich vor Allem zu bekreuzigen, was in ihren alltäglichen Kram nicht paßt.“


