Teil eines Werkes 
5. Band (1867) Clara Vere : Roman / von Fr. Spielhagen
Entstehung
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Clara Vere. 41

aber die Augen der Liebe ſehen ſcharf! und es wollte ihr nicht gefallen, daß ſie mit Lady Vere Georg's Unterricht theilen ſollte— es war ihr nie in den Sinn gekommen, daß ſo etwas überhaupt auch nur möglich ſei.

Und Georg? warpin war er heute gegen Helene aufmerkſamer und liebevoller, wie je? warum ſah er ſo forſchend in ihr liebes Ge⸗ ſicht, das heute ſo nachdenklich war? und warum fiel es ihm heute zum erſten Mgle auf, daß in ihrem warmen, ſonnigen Teint einige Sommerſproſſen ſich zeigten? warum war ihm ihr Auge nie ſo wun⸗ dervoll blau vorgekommen? O Helene hatte Recht: Georg würde noch viel lernen von Clara Vere.

Sechstes Capitel.

Auf Schloß Vere war nun Alles in das rechte Geleis gekommen. Die Pferde hatten ſich an die neuen Krippen gewöhnt; die Bedienten und Mägde verliefen ſich nicht mehr ſo oft in den langen Corridoren;. Lady Vere's Kammermädchen konnte ſchon Abends ohne Grauen die Bibliothek betreten; der große Raſenplatz war von dem Stroh ge⸗ ſäubert; der große Schrank war glücklich in das Studirzimmer des Lords geſchafft; Maurer und Zimmerleute, Maler und Tapezierer waren verſchwunden; die Lindenhecken und Taxuspyramiden in dem franzöſiſchen Garten waren friſch verſchnitten; die Sphinre und Sand⸗ ſteingötter hatten ein Bad genommen, oder ſich gar einen neuen An⸗ ſtrich müſſen gefallen laſſen, und ſchienen wie weiße Geſpenſter durch das Dunkel; Lord Vere erging ſich auf den graden, kiesbeſtreuten Wegen, und dachte darüber nach, ob er die prachtvolle runde Krone einer rieſigen Linde nicht noch nachträglich zu einer coloſſalen Pyramide verſchneiden könnte;— und Lady Vere, die die Zimmer der letzten Lady Vere, der Mutter des verſtorbenen Lords, bezogen hatte, dehnte

ſich in den ungeheuren, mit abenteuerlichen Stickereien bezogenen

Seſſeln, und betrachtete gähnend den bunten Papagei des Fuf—