Teil eines Werkes 
5. Band (1867) Clara Vere : Roman / von Fr. Spielhagen
Entstehung
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Clara Vere.

Ich weiß nicht. Ich habe heute viel zu thun; ich muß mich tummeln ich will ſehen.

Reiten Sie auf's Schloß, Georg?

Auch das, liebe Helene.

Der junge Mann ſaß auf und ritt davon.

Georg hatte recht; er konnte Helene nicht traurig ſehen, ohne es ſelbſt zu werden. Sie war eine ſo friſche, freie Natur; ihr blaues Auge blickte ſo fröhlich in die Welt; ihr Lachen klang ſo ſilberhell! ja ihre Stimme hatte einen ſo frohen, heiteren Klang das Wirbeln der Lerche, die in den blauen Aether aufſteigt, war nicht verlockender zum Frohſinn. Es hatte für Georg immer etwas unendlich Schmerz⸗ liches, wenn dieſer helle Morgenhimmel einmal umwölkt war. Es kam ihm dann faſt wie eine Sünde vor, froh zu ſein; es war ihm, als wäre die Welt aus dem rechten Geleiſe.

Der Trübſinn der Mutter war ihm nicht halb ſo peinlich. Er ehrte ihren ſtillen Schmerz; ſein, wie Helenens Sinnen war nur, wie ſie die gute Mutter dem Leben wiedergewinnen könnten. Aber alle ihre herzlichen Bemühungen konnten ihr nichts als ein ſchmerzliches Lächeln entlocken. Sie litt es nicht, daß Georg und Helene an ihrem Kummer Theil nahmen.

Euch ſteht die Welt offen, ſagte ſie,Ihr ſollt fröhlich ſein; Ihr lernt den Schmerz noch früh genug. Laßt mich allein: Ihr wißt nicht, was ich weiß. Sie ſprach nie über den Tod ihres Gatten oder ihres Sohnes; ſie wollte nicht, daß in ihrer Gegenwart davon geſprochen würde, aber man ſah es nur allzu deutlich, daß ſie nichts anderes beſchäftigte, als der Gedanke daran, Taz und Nacht. Ihr Trübſinn, dem ſie ſich oft auf ganze Tage ſo ſehr überließ, daß ſelbſt Georg und Helene ihre Einfamkeit nicht ſtören durften, hatte den jungen Mann öfters für ihren Verſtand bange gemacht. Aber es beruhigte ihn dann wieder, wenn in anderen Zeiten die Mutter Wochen lang ſtill und fleißig im Hauſe ſchaffte; wenn ihr Helene vorſingen und ſpielen durfte, wenn er von ſeinem Lord, und von ſei⸗ nen Reiſen erzählen mußte; wenn ſie die jungen Leute zu einem

Spaziergang ermunterte, oder eine Arie zuſammen einzuüben, und auf alle Weiſe ihr Glück befördern half. i