Dämmerſchein des Nachtlichts iſt grauſig.— Nein— fuhr er leb⸗ hate fort—„als Lord Vere vor meinen Augen in die Schlucht
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Clara Vere. 11
ſtürzte; als ich mit Gefahr meines Lebens ihm nachkletterte; als ich unten bei dem Zerſchmetterten, Sterbenden ankam; als er mich mit ſeinem Feuerauge, einen Moment, eh' der Tod es umflorte, ſo groß und voll anſah; als er ſeinen rechten Arm, das einzige Glied, das ihm nicht gebrochen war, um meinen Nacken ſchlang; als ic mich über ihn beugte, die lieben bleichen Lippen vergeblich ein Wort zu ſtammeln ſich bemühten— nein, Helene, das war furchtbar, aber groß— das war der Tod eines Helden!“
Das junge Mädchen hatte ſich eng an den jungen Mann ge⸗ ſchmiegt, und hörte ihm zu mit pochendem Herzen.—„Ja,“ fuhr er fort,—„wer ſo in ſeiner vollen Kraft weggeriſſen wird, wie der Baum, den der Sturm entwurzelt— er grünt noch lange, ehe er ſo ganz verdorrt— ſein Andenken lebt bei den Zurückbleibenden fort, als wenn der Reſt von Lebenskraft, der noch nicht aufgebraucht war, den Schatten belebte.— Ihr Vater ging am Morgen aus dem Hauſe, ein ſtattlicher kräftiger Mann— man brachte ihn am Abend zurück, eine blutige Leiche.— Sie haben mir oft ſelbſt geſagt, es wäre Ihnen, als ſei er noch nicht todt.— Die Kluft zwiſchen Leben und Tod iſt zu groß, wir können ſie nicht ausfüllen; es fehlen die Sproſſen in der Leiter— die langen Fiebernächte, das allmälige Abſterben— die Töne zwiſchen der friſchen Lebensfarbe und der Tedesbläſſe.— Freilich, Ihr Bruder, der arme Junge— er war ſchon lange krank, ehe er ſich die Kugel einlud, die ſein ſchönes Haupt zerſchmetterte. Glauben Sie, Helene, das wüthendſte Fieber hat nicht mehr Gewalt, als die ſtille Schwermuth, an der Lorenz krankte. Der Gedanke an Ihres Bruders frühes Ende hat für mich nichts Grauſiges;— es iſt mir unendlich rührend. Der ſchöne, ſtille, begabte Jüngling— wie er einherging, einſam, in ſich gekehrt— er gehörte kaum zu uns übrigen Lebenden. Er ſank in den. Todesarm, wie die Blume, die am Morgen ſich entfaltet, ſinkt unter ihrer eigenen Laſt, die volle Aehre ſich neigt unter der eigenen Schwere.— Nein, Helene,— mag der Tod uns antreten, in welcher Geſtalt er will! er iſt entweder


