——————————————
——
——————
„
Auf der Düne. 179
mit Demuth tragen,“ ſchloß er,„wenn dieſer Menſch ihre Liebe ver⸗ diente. Aber daß er ein Schurke iſt, und daß ſie dieſen Schurken liebt, das macht mich toll. An den Verſuch, ſie von dem Elenden zu befreien, will ich gern mein Leben ſetzen.“
Paul hatte ſeinen Vetter ausreden laſſen, ohne ihn einmal zu unterbrechen. So ſehr der Anſchein gegen Clementine ſprach, konnte er ſich nicht überwinden, an ihre Schuld zu glauben. Sein frucht⸗ bares Gehirn arbeitete, um den ganzen Vorfall auf eine andre, un⸗ ſchuldige Weiſe zu erklären, und er hatte auch bald ſo ziemlich den eigentlichen Zuſammenhang herausgefunden. Er erinnerte ſich, daß Doctor Deus beim Abſchiede geſtern eine Salbe für den Kranken zu ſenden verſprochen hatte; er theilte dieſen Umſtand Guſtav mit. Er machte ihn darauf aufmerkſam, wie wahrſcheinlich es ſei, daß Cle⸗ mentine in ihrer Gutherzigkeit ſich noch ſo ſpät auf den Weg gemacht habe, dem ſchwer Leidenden das Heilmittel zu bringen.„Und wenn ſie beim Zurückkehren Herrn von Elze traf, der erſt kurz vorher an⸗ gekommen ſein konnte, weshalb hätte ſie ſich ſeine Begleitung, wenn er ihr dieſelbe, wie er jedenfalls gethan hat, antrug, verbitten ſollen?“
„Und was hätte ſie dieſem Manne ſo Wichtiges mitzutheilen gehabt?“ ſagte Guſtav.„Denn ich hörte, ohne die Worte verſtehen zu können, daß ſie mit einem Eifer, wie ich es nie von ihr gehört, und ununterbrochen zu ihm ſprach!“
„Das weiß ich nicht,“ ſagte Paul;„und überdies beweiſt dieſer Umſtand nichts. Aber wohl ſpricht es für ihre Unſchuld, daß ſie ebenſo wenig, wie wir, wiſſen konnte, Herr von Elze werde ſo ſpät in der Nacht von ſeiner Reiſe zurückkommen.“
„Kann er ihr das nicht ſchon an jenem Abend geſagt haben, als er den Brief erhielt, der ihn zum großen Herrn machte, und Cle⸗ mentine an dem Vorfall ſo viel Antheil nahm, daß ſie nothwendig ihm nachgehen mußte,— um ihm das Schreibzeug zu verſchaffen?“
„O,“ rief Paul,„was helfen da Vermuthungen und Auslegungen, hinüber und herüber! Du willſt Clementine ſchuldig finden, und fin⸗ deſt ſie ſo. Siehſt Du, Guſtav, das iſt der Fluch Deines Betragens, deſſen Thorheit ich Dir ſchon neulich bewies: Du haſt das Ver⸗ ſtändniß für Deine Frau verloren. Ich will es Dir jetzt geſtehen,
12*


