168 Auf der Düne.
der bei ihr war, war Herr von Elze, konnte nur Herr von Elze ſein. — Sie ſtanden noch ein paar Minuten vor der Thür—„leben Sie wohl“— und noch einmal:„leben Sie wohl“— er fah Clementinen eintreten; ſah, wie Herr von Elze langſam, zögernd fortging.— Herr von Elze hier, in tiefer Nacht, allein mit ſeiner Gattin— ſie, die ſonſt ſo Schweigſame, jetzt ſo beredt, daß jener gar nicht zu Worte kommen konnte— ſeine ſchlimmſten Befürchtungen alſo ein⸗ getroffen! all' ſein Glück für immer rettungslos vernichtet!— Der ſturke Mann brach zuſammen unter dieſem fürchterlichen Schlage; ein Schwindel packte ihn, er mußte ſich an die Mauer lehnen, um nicht umzuſinken. Dann raffte er ſich auf, denn er hörte deutlich eine Stimme, die Rache! Rache! ſchrie. Er ſchlich ſeinem Nebenbuhler nach— und Herr von Elze konnte von Glück ſagen, daß er in dem entſcheidenden Augenblicke, wo ſein Verfolger ihn zwiſchen den Dünen faſt erreicht hatte, auf den Lootſen traf. Er hatte dieſem Umſtande viel⸗ leicht ſein Leben zu verdanken. Guſtav hatte keine Waffe bei ſich; aber die Leidenſchaft hatte ihn raſend gemacht, und er war ein Mann von außerordentlicher Körperkraft, gegen den ſein ſchmächtiger, durch ein ausſchweifendes Leben entnervter Gegner in einem Kampfe Mann gegen Mann ſo rettungslos verloren geweſen wäre, wie ein Leopard unter den Klauen des Löwen.— So kehrte Guſtav, Wuth und Verzweiflung im Herzen, zu ſeinem Boote zurück, und ruderte nach dem Adler; entſchloſſen, das Weib, das an ſeinem Herzen ge⸗ ruht, die Mutter ſeines Kindes, zu ſchonen, aber den Verführer zu verderben, wenn es in ſeiner Macht ſtände.
Am Morgen des nächſten Tages machte der Lieutenant Gerhardt, in Begleitung ſeines Freundes des Doctor Deus, einen Beſuch auf dem Adler; einmal, um Guſtav, deſſen Rückkehr er erfahren hatte, perſönlich kennen zu lernen, ſodann, um anzufragen, ob derſelbe auf ſeine Verantwortung den Adler herleihen könne. Denn der Neptun war in dem Sturme ſtark beſchädigt worden, und es erſchien wün⸗ ſchenswerth, das Schiff ohne Verzug in den Hafen zu ſchaffen. Guſtav empfing die Herren auf das zuvorkommendſte; erklärte ſich auch ſo⸗ gleich bereit, den Dampfer herzugeben, wenn der Lieutenant nur noch bis übermorgen warten wollte, wo die in dieſem Jahre auszubag⸗


