Teil eines Werkes 
4. Band (1866) Auf der Düne : Roman / von Fr. Spielhagen
Entstehung
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Auf der Düne.

„O ihr Götter!“ rief der Doctor,„dieſe Verliebten haben do keine Ohren zu hören, keine Augen zu ſehen. Bewahret mich vor einem ſo troſtloſen Zuſtande!“

„Es will mich bedünken, als ſeieſt Du ſelbſt nicht mehr weit davon entfernt.“

„Ich?“ rief Doctor Deus in ſeinem alten, launigen Ton;„ich! bin ich ein Mann zum Lieben!““

Siebenundzwanzigſtes Capitel.

In dieſer ſelben Nacht hatte Clementine noch einen Krankenbeſuch im Dorfe gemacht. Sie hatte den Doctor Deus gebeten, nach ihrem Patienten zu ſehen; Doctor Deus hatte heute beim Abſchied aus ſeiner Apotheke eine Salbe zu ſchicken verſprochen, die unverzüglich ange⸗ wandt werden müßte; und ſo pünktlich Wort gehalten, daß das ver⸗ ſprochene Medicament eben ankam, als die Geſellſchaft im Comman⸗ deurshauſe zu Bette gehen wollte. So hatte ſich denn Clementine, ohne Jemandem etwas davon zu ſagen, in dieſer ſpäten Stunde auf⸗ gemacht, und da ſie den Zuſtand des Kranken ſchlimmer fand, ſich ſo lange aufgehalten, daß, als ſie den Rückweg antrat, der Mond, der ihr vorhin noch hell vom Himmel geleuchtet hatte, bereits untergegangen war. Sie ſchritt langſam den bekannten Pfad durch das Dorf zurück. Plötzlich löſte ſich aus dem tiefen Schatten eines der Häuſer eine dunkle Geſtalt los und ſtellte ſich einige Schritte vor ihr auf den Weg. Die junge Frau, die nicht anders glauben konnte, als daß der Mann einer der Lootſen ſei, ſchritt ohne Furcht weiter, und ſagte arglos:„guten Abend!“ als ſie ihm ganz nahe war.

„Guten Abend, gnädige Frau!“ antwortete die Stimme Herrn

von Elze's.

Die unerwartete Begegnung dieſes Mannes zu dieſer Zeit machte ſelbſt Clementinens Muth wanken, und nur mit Mühe unterdrückte ſie einen Schrei.

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