Auf der Düne. 157
Und als ſie das Lied zu Ende geſungen hatten:
„Ganz vortrefflich, Voiſin. Es iſt Jammer und Schade, daß Sie nicht mehr für Ihre Stimme thun. Ich werde Ihnen von mor⸗ gen an täglich eine Stunde geben. Aber weiter:„Ich wollt', meine Liebe ergöſſe“—
Sie ſangen die erſten beiden Strophen des Liedes ohne Anſtoß. Die dritte lautet:
„Und haſt Du zum nächtlichen Schlummer Geſchloſſen die Angen kaum,
So wird mein Bild Dich verfolgen
Bis in den tiefſten Traum.““
„Es war ja ganz richtig;“ ſagte Clementine, als Beide mitten d'rin plötzlich ſchwiegen. Paul dachte daran, wie er vor wenig Stunden Hedda's Bild im Traum geſehen hatte, und Hedda an die Traumerſcheinung in der Laube.
„Es war wohl richtig,“ ſagte ſie;„aber es klang nicht gut.“
„Fangen Sie doch noch einmal an;“ bat Gerhardt.
„Nein,“ ſagte Hedda,„der erſte Eindruck iſt nun doch verdorben, und der erſte Eindruck, wiſſen Sie, iſt immer der beſte.“
Bald hernach brachen die Fremden auf, nachdem vorher der Lieutenant die Geſellſchaft zu einem Beſuch auf dem Neptun einge⸗ laden hatte. Der Lootſencommandeur und Paul begleiteten die Gäſte bis zum Strand.— Der Mond ſchien hell; zum Ueberfluß ſchim⸗ merte von der Corvette das Licht einer Laterne herüber.
Clementine und Hedda waren allein geblieben.
„Du warſt heute recht wunderlich, Hedda;“ ſagte Clementine.
„Daß ich nicht wüßte.“
„Schon gut,“ ſagte Clementine. Wie kommt es, daß Du mir nie von dem Lieutenant Helm erzählt haſt?“
„Was ſollte ich Dir von ihm erzählen?“
„Daß er viel zu ſchön ſei, als daß eine gewiſſe junge Dame ſich
nicht, auf einige Zeit wenigſtens, ſterblich in ihn hätte verlieben ſollen.“
„Iſt er ſo ſchön?“ ſagte Hedda. Ich erinnere mich jetzt, daß die Leute es ſchon damals ſagten. Ich will doch wirklich morgen ihn einmal genau darauf anſehen. Iſt er hübſcher wie Paul?“


