152 Auf der Düne.
laſſen, Commandeur?“ rief der Erſtere mit helltönender Stimme herüber.„Nur immer heran, Lieutenant!“ ſchrie dieſer zurück. Noch ein paar Schläge, und die Leute nahmen die Ruder herein, ſchnell, wie ein Vogel die Flügel zuſammenlegt, und dgs Boot ſtieß knirſchend auf den Sand. Der Officier ſchritt nach öbrn, ſchwang ſich mit einem Satze von dem Boot auf's Trockene, und begrüßte herzlich den Lootſencommandeur.„Ein lieber junger Freund von uns;“ ſagte der Letztere, Paul in dieſer unbeſtimmten Weiſe verſtellend. Der Lieute⸗ nant faßte grüßend an ſeine Mütze, und warf aus ſeinen dunklen Augen einen prüfenden Blick auf den neuen Bekannten.„Der ſchielt wahrlich nicht!“ ſagte Paul bei ſich, den höflichen Gruß und den prüfenden Blick erwiedernd.
„Nun, Doctor,“ rief der Lieutenant, nach dem Boote zurück⸗ gewandt,„wollen Sie denn ſitzen bleiben?“—„Bis mich Jemand herausträgt, gewiß!“ antwortete eine quäkende Stimme.—„Nun ſo laſſen Sie ſich heraustragen!“ rief der Lieutenant lachend. Aber auch Paul mußte lächeln, als jetzt ein kurzer, unterſetzter Mann mit einem ganz unförmlich großen Kopf in dem Boote auf die Bank kletterte, ſich einem Matroſen auf die Schultern hing, und ſich von ihm die paar Schritte auf den Strand tragen ließ.„Froh aus der Todes⸗ gefahr;“ ſeufzte der Kleine, als er den feſten Sand unter den Füßen fühlte.„Nicht beraubt der lieben Genoſſen;“ ergänzte Paul.— Wer Sie auch ſein mögen, Fremdling,“ rief der wunderliche kleine Mann;„ich freue mich, nach zwei Jahren endlich einen Menſchen ge⸗ funden zu haben, der den Homer citiren kann. Wir müſſen Freunde werden!“ und er ſchob einen ſeiner langen Arme unter Paul's Arm und watſchelte neben ihm her nach dem Commandeurshauſe.
Clementine und Hedda waren im Muſchelgarten, als die Geſell⸗ ſchaft anlangte. Die Sonne, die ſeit der letzten Stunde wieder hervor⸗ gekommen war, ging eben glühend in den bewegten Waſſern unter, und ſtrahlte ihr roſiges Licht über die ſchönen Geſtalten.
„Meine zwei Töchter;“ ſagte der Lootſencommandeur— die beiden Damen ſo vorzuſtellen war ein ſtehender Scherz des braren Mannes—„Marinelieutenant Helm, Doctor—“
„Amadeus Schwarz, zu dienen;“ vervollſtändigte dieſer.


