52 Auf der Düne.
thun;“ ſagte Clementine, zu Paul gewandt.— Paul konnte ſich dieſe Art von Theilnahme gerade bei einer jungen Frau, die ſo eifrig nach wirklicher Belehrung ausſpähte, und mit ſo großem Mißtrauen gegen alle Bücherweisheit erfüllt war, ganz wohl denken, obgleich ihm des Lieutenants Anekdoten aus ſeinem Hof- und Feldleben weder die bittre Ironie Hedda's, noch Clementinens warmes Lob zu verdienen ſchienen; aber dann mochte der Mann auch dem profanen Haufen ſich anders zeigen, und nur dem Gläubigen in ſeiner Glorie.— Wie dem auch ſein mochte, Paul war ernſtlich beunruhigt durch Herrn von Elze's Aufmerkſamkeiten gegen Clementine, durch die ſichtliche Be⸗ friedigung, mit der ſie dieſe Aufmerkſamkeiten entgegennahm, und durch die Gleichgültigkeit, mit der Guſtav Alles, was auf der Inſel vorging, zu betrachten ſchien; durch die Seltenheit ſeiner Beſuche, die in auffallendem Widerſpruch ſtanden ebenſo mit dem Eifer ſeiner Einladung und ſeinen Pflichten als Wirth, als mit ſeinem früheren geſelligen Weſen, und mit ſeiner gewiß aufrichtigen Verſicherung, daß er ſich in Paul's Geſellſchaft ſtets wohler befunden habe, als in irgend einer anderen.— Jemand, der nach langer Abweſenheit in einen bekannten Kreis zurückkehrt, oder fremd in einen neuen kommt, ſieht ſtets ſchärfer und richtiger, als die drinnen Stehenden, weil ſein Blick nur die großen Verhältniſſe auffaßt, und durch die Menge der Einzelheiten nicht verwirrt wird, und es überdies weit leichter iſt, das Gewordene zu erkennen, als das allmälige, geheimnißvolle Wer⸗ den. So erklärte ſich auch Paul ſeine innere Unruhe bei der ſchein⸗ baren Unbefangenheit und Naivetät der Uebrigen— denn was Guſtav betrifft, ſo hatte er ſich in eine Art von Geheimniß gehüllt— und der junge Mann hütete ſich wohl, die harmloſe Rolle des ſtillen Beobachters mit der ſehr bedenklichen eines Zwiſchenträgers zu ver⸗ tauſchen.— Man glaube indeſſen nicht, daß er die Summe ſeiner Beobachtungen ſo ſcharf gezogen hatte, wie wir es hier gethan haben, oder ihm das Reſullat in jedem Augenblicke gleich gegenwärtig war. Einmal iſt es mit ſolchen Beobachtungen immer wie mit Mephiſtopheles' „Webermeiſterſtück,“ wo„die Fäden ungeſehen fließen,“ und überdies iſt eine heimliche Neigung, wie ſie, ihm ſelbſt unbewußt, in ſeinem Herzen keimte, ein zu eiferſüchtiges Ding, als daß es noch viel An⸗


