Teil eines Werkes 
4. Band (1866) Auf der Düne : Roman / von Fr. Spielhagen
Entstehung
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Auf der Düne. 33

war.„Der Platz iſt wie gemacht zum Träumen und Leſen,“ hatte Paul geſagt, als er ihn das erſte Mal ſah.„Und das iſt auch ſeine ganz eigentliche Beſtimmung,“ hatte Hedda geantwortet;„und wenn Sie mir in dieſen angenehmen Beſchäftigungen hier Geſellſchaft leiſten wollen, ſo ſind Sie willkommen.“

Und zu dieſem Plätzchen konnte man die beiden jungen Leute oft ſchon in der Frühe des Morgens gehen ſehen, wenn die Sommer⸗ ſonne eben erſt aus dem Meere aufgetaucht war, und die Schatten der Wanderer lang auf den weißen Sand des Strandes malte, über den ſie, ſtets im eifrigen Geſpräch, leicht dahinſchritten. Denn Hedda liebte das Licht und den Morgen, und Paul erſtaunte nicht wenig, als er ſah, daß dem jungen Mädchen, trotz ihrer raſtloſen körperlichen und geiſtigen Thätigkeit den lieben langen Tag hindurch, vier bis fünf Stunden Schlaf vollkommen genügten. Hinter dieſes ihr Talent, „das kurze Leben lang zu machen,“ wie er es nannte, war er durch einen Zufall gekommen, dem auch die Benennung: Voifin und Voiſine, die ſie ſich jetzt an Stelle des förmlichen Herr und Fräulein oft gaben, ſeine Entſtehung verdankte. Paul bewohnte, wie wir geſehen haben, eine von den zwei Stuben in dem öſtlichen Giebel des Hauſes, die von der andern, welche er in den erſten Tagen für unbewohnt gehalten hatte, durch eine ſtarke Wand ohne Thür getrennt war. Clementine ſchlief mit ihrem Kinde und ſeiner Wärterin, einem hüb⸗ ſchen jungen Mädchen aus der Stadt, unten links; und Paul hatte vermuthet, daß auch Hedda dort irgendwo ihr Neſtchen habe. Nun hatte der junge Mann, wie die meiſten phantaſiereichen und viel träumenden Menſchen, einen außerordentlich leiſen Schlaf, und ſo erwachte er denn mehre Morgen hintereinander zu derſelben frühen Stunde von dem Geräuſch einer Thür, die ganz in ſeiner Nähe zu⸗ gemacht wurde, dann hörte er einen leichten Schritt über den Flur nach der Treppe eilen, und dann war Alles wieder ſtill, und er ſchlief wieder ein, um ein paar Stunden ſpäter zum Kaffee hinabzugehen, der jetzt ſtets in dem Gartenſaal getrunken wurde, und bei dem Hedda den Vorſitz führte, während Clementine in der Sophaecke noch einige Male verſtohlen gähnte. Da die Damen ſich des Abends zeitiger als die Herren zur Ruhe begaben, die der Lootſencommandeur noch ein

Fr. Spielhagen's Werke. IV. 3