Auf der Düne. 25
und über den alten Lootſencommandeur„ein kräftig Wörtlein“ ſagen, damit Du den kleinen Kreis, in den ich ſo unverhofft gekommen hin,
ganz kennen lernſt, und ich für die übrige Zeit meines hieſigen
Aufenthalts Ruhe vor Dir habe.
Um mit dem Erſteren, als dem mir am wenigſten intereſſanten anzufangen, ſo habe ich Dir ſeine Geſchichte ja wohl erzählt. Im Uebrigen ſtelle Dir einen Mann im Anfang der Dreißiger etwa vor, mit energiſchen, nicht unſchönen Geſichtszügen, dem der frühere Mili⸗ tär im Ganzen wenig anzumerken iſt. Er hat weder die ſtraffe, ſol⸗ datiſche Haltung, die unſere Officiere von dem Paradeplatze mitbringen, noch das geſchmeidige Weſen, das ſie ſich auf den glatten Parquets der Theezimmer aneignen. Obgleich er ſich lange Jahre nur in den höchſten, ja allerhöchſten Cirkeln bewegt hat, geht er doch und ſteht und ſpricht, als hätte er nie zu den Kindern des Lichts gehört, ſondern ganz, wie wir andern Söhne der Menſchen. Das hat ihm nun in meinen Augen gerade keinen Schaden gethan, und ich muß überhaupt geſtehen, daß meine Dir bekannte Gabe der„Intuition“ ſich diesmal nicht recht bewährt hat, und weder die Erſcheinung, noch das Auf⸗ treten des Herrn von Elze— ich will nur hoffen, daß ſeine Be⸗ ſcheidenheit nicht erkünſtelt iſt— das ungünſtige Vorurtheil, das ich von dem Manne gefaßt hatte, gerechtfertigt haben. Um indeſſen die Ehre meines Prophetenthums einigermaßen zu retten, ſetze ich hinzu, daß ſeine grauen Augen mir nicht gefallen, und Dir auch nicht ge⸗ fallen würden. Sie haben etwas Kaltes, Stechendes, wie er mir denn überhaupt zu den Menſchen zu gehören ſcheint,„an deren Seite es ſich nicht ruhen läßt.“ Dafür hoffe ich, daß er, wie es den Anſchein hat,„viel beſitzen, vieles geben“ kann, was uns zu Gute kommen ſoll, und er ſomit immerhin eine gute Acquiſitivn für unſern kleinen Kreis ſein wird. Daß er zeitweiligen Anfällen von übler Laune ausgeſetzt iſt, kann ich ihm, als Verbannten, ſchon eher nach⸗ ſehen, obgleich mir auch wieder dieſe düſtre Stimmung gerade jetzt etwas unmotivirt däucht, da er die lange gewünſchte Verſetzungsordre aus der Stadt mitgebracht hat, und in wenigen Wochen in eine ganz bedeutende Stelle einrücken wird. Aus ſeinem Verhältniß zu den beiden Frauen und zu den Uebrigen habe ich, offen geſtanden, noch


