Auf der Düne. 23
man ſich ſelbſt hier hält. Dann wollen wir auf der Düne ſitzen und die Lootſenbvote in das Meer ſtechen ſehen, wie ſie keck und ſicher durch die ſchäumenden Wellen ſich ihren Weg bahnen nach dem Schiffe hin, deſſen Maſten nur eben noch über die letzten Wogenkämme ragen, oder wir ſelbſt wollen bei ſtiller See hinausrudern, bis wir uns ganz allein wiſſen, und dann wollen wir uns treiben laſſen, und, im Boote ausgeſtreckt, zum blauen Himmel hinauf ſchauen und träumen.
Aber ich ſoll ja nicht träumen, ich ſoll ja wachen und die Augen offen halten, damit ich nicht in die Schlingen falle, die mir die böſen Menſchen hier ſtellen. Die böſen Menſchen! Kennteſt Du ſie nur! Ich hätte nie geglaubt, daß auf dieſem öden unbekannten Fleckchen Erde— Erde?— Sand, ſo viel Schönheit, Güte und Geiſt zu finden ſein könnte, als woran ich hier tagtäglich Augen und Seele weide. Das Leben iſt ſo unſäglich reich; allüberall regt es ſich, und keimt und ſproßt und blüht—„es blüht das fernſte, tiefſte Thal!“ wie es im Liede heißt; und da kommen nun die Poeten und ſchreien nach Stoffen, wie die jungen Raben nach Speiſe!
Ich ſoll Dir eine Federzeichnung von den Menſchen hier ent⸗ werfen, ſagſt Du. Nun wohlan! Da iſt zuerſt„die kluge Hedda.“ Sie iſt ein Räthſel, eine Nixe, Undinens Schweſter, vermuth' ich, oder Undine ſelber; der alte Goethe würde ſie„eine Natur“ genannt haben. Sie iſt kindiſch⸗ausgelaſſen, und dann wieder„ſtill und be⸗ wegt.“ Sie kann ſchwärmen wie die heilige Cäcilie, und wenn Du auf ihre Sentimentalitäten eingehſt, lacht ſie Dich aus. Ich habe ſie ſchon manchmal für eine Erzkokette gehalten, und ſchon im nächſten Augenblicke es ihr im Stillen wieder abgebeten und geſagt: ſie iſt ein Kind.— Clementine ſcheint faſt in jeder Hinſicht ihr wahres Gegenbild. Nicht, als ob ſie einen ungünſtigen Eindruck auf mich gemacht hätte! Ich glaube, ich könnte jahrelang in Hedda's Geſell⸗ ſchaft ſein, ohne daß es mir einfiele, mich in ſie zu verlieben, wogegen ich bei Clementinen darüber nicht ſo ſicher wäre. Sie iſt entſchieden die hübſchere von den Beiden, ja ſie hat Augenblicke, wo man ſie ohne Uebertreibung ſchön nennen könnte. Aber in ihrem ganzen Weſen herrſcht eine an Phlegma grenzende Ruhe, die keineswegs er⸗ kältend wirkt, aber doch nicht ſo zur Vertraulichkeit einladet, uns


