Teil eines Werkes 
4. Band (1866) Auf der Düne : Roman / von Fr. Spielhagen
Entstehung
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16 Auf der Düne.

welche des Lootſencommandeurs Tochter ſei. Er that ſich nicht wenig darauf zu gute, von Perſonen, die er kennen zu lernen wünſchte, oder mit denen er bekannt gemacht werden ſollte, ſich zum Voraus ſchon durch höhere Intuition wie er ſagte, eine richtige Vorſtellung machen zu können, und da der geneigte Leſer dieſes Talent jedenfalls in nicht minder hohem Grade beſitzt, ſo wird er es ebenſo natürlich finden, wie Paul, daß Clementine eine ſchlanke Blondine mit großen blauen, ſanften Augen iſt, und Hedda eine zierliche Brünette, deren Augen auch ſelbſt dann noch, wenn ſie die dunkeln Wimpern hebt, ſowohl der Farbe als dem Ausdruck nach ein Räthſel bleiben. Unter freundlichen Geſprächen ſchritt die Geſellſchaft dem Hauſe mit dem rothen Ziegeldache zu, an deſſen Thür ſie der alte Walter, in dem doppelten Glanze ſeiner blauen Lootſencommandeuruniform und ſeines rothbraunen, überaus gutmüthigen Geſichtes empfing. Es wurde Paul im Anfang nicht ganz leicht, die ohne Zweifel höchſt gaſtfreundſchaftliche Meinung ſeiner Worte zu faſſen, denn die Sprache des würdigen Commandeurs war das wunderlichſte Gemiſch von einem ganz klein wenig Hochdeutſch, ſehr vielem Plattdeutſch und überdies einem nicht unbedeutenden Contingent von Wörtern aus aller Herren Ländern, die er auf ſeinen Reiſen berührt hatte. Indeſſen verſtändigte ſich der junge Mann doch ſo leidlich mit ſeinem Wirthe, während dieſer den Gaſt nach dem für ihn beſtimmten Zimmer im Giebel des einſtöckigen Hauſes führte, und ihm im Vorbeigehen eine ſehr detaillirte Ueberſicht der ganzen Wohnung gab. Nun hatte Paul während des Morgens ſchon ſo viel Neues, Unerwartetes und Ueberraſchendes ge⸗ ſehen, daß er gar nicht einmal mehr erſtaunte, als die beſcheidene Schifferwohnung, die ihm ſeine Phantaſie und das Fernrohr gezeigt hatten, ſich jetzt in ein ganz ſtattliches Haus verwandelte, das mit allem Comfort, den nur an Reichthum grenzende Wohlhabenheit her⸗ beizuſchaffen vermag, eingerichtet war. Er würde ſich in der Villa eines Kaufherrn zu befinden geglaubt haben, wenn nicht eine Menge von Gegenſtänden, die in naher und nächſter Berührung zur See ſtehen, ſich überall ſeinen Blicken gezeigt hätten. Da prangte in der einen Stube ein Schrank voll der köſtlichſten Muſcheln; von der Decke einer andern hing ein kunſtvoll gearbeitetes, mit ſeiner vollſtändigen