„
2.
Auf der Düne. 13
„Das fragt ſich.“
„Wie ſo?“
„Nun, ich glaube, daß jede Frau, beſonders jede jüngere, über jeden Mann, beſonders jeden jüngeren, der in in ihre Nähe kommt, ſich auch ihre Gedanken macht.“
„Das glaube ich nicht.“
„Meinungsverſchiedenheiten.“
Guſtav's Stirn verdüſterte ſich ein wenig, und für eine halbe Minute zog er, wie das perſiſche Sprichwort ſagt, den Rauch des Nachdenkens ein, und blies den Rauch des Zweifels von ſich. Plötz⸗ lich ſagte er:„Und überdies muß er fort!“
„Iſt ſeine Uhr etwa abgelaufen?“
„Warum?“
„Ich dachte, Du wollteſt Herrn von Elze mit dem Flitzbogen todtſchießen, wie Tell den Gesler, weil Deine Frau doch möglicher⸗ weiſe einen Augenblick über ihn nachgedacht haben könnte.“
„Du biſt nicht klug. Ich meinte nur, weil er mir neulich ſagte: er ſei die längſte Zeit auf dem Nedur geweſen, und erwarte jeden Augenblick ſeine Verſetzungsordre.“
„Deſto beſſer.“
„Was haſt Du davon?“
„Ich ſchwärme für Solos, und verabſcheue alle Duetts, in denen ich nicht die zweite Stimme ſingen kann.“
Guſtav lachte; aber nicht ſo herzlich wie ſonſt. Das fiel Paul auf. Es fuhr ihm durch den Sinn, daß ſein Vetter auf den ge⸗ heimnißvollen Lieutenant eiferſüchtig ſein könnte; indeſſen hatte er für den Augenblick keine Zeit, weiter daran zu denken.
Sie waren während dieſer Unterredung bis an den Bagger ge⸗ kommen und gingen vor Anker, da die beiden Prähme, die ſie in Empfang nehmen ſollten, noch nicht ihre volle Ladung hatten. Auch einen Seebagger in Thätigkeit hatte Paul noch nicht geſehen. Der plumpe Kaſten mit ſeinen langen eiſernen Armen, die er ſo unermüd⸗ lich in's Waſſer taucht, um ſie wieder herauszuheben, und aus vollen Kübeln mit Sand und Schlamm die Prähme an beiden Seiten zu ſpeiſen, erſchien ihm wie ein koloſſales antediluvianiſches Seeungeheuer,


