Teil eines Werkes 
4. Band (1866) Auf der Düne : Roman / von Fr. Spielhagen
Entstehung
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2 Auf der Düne.

morgen alſo! mit dem er eben, leiſe gähnend, und das Licht mit der einen Hand ſchützend, durch die Thür der Cajüte verſchwand?

Und jetzt runzelſt Du die Stirn, und drohſt, nicht eine Zeile weiter leſen zu wollen, wenn ich nicht alsbald größere Ordnung in meine Rede bringe, und Dir vor allem ſage, was das mit dem Adler und mit Guſtav und der geheimnißvollen Inſel für eine Bewandtniß habe!

Einfach dieſe. Ich ſaß heute Morgen in meinem Studirzimmer, ſo melancholiſch, wie derjenige nothwendig ſein muß, der acht Wochen Sommerferien vor ſich hat, und keinen beſſeren Gebrauch davon zu machen weiß, als ſich in ſein Zimmer einzuſchließen, mit der ſelbſt⸗ mörderiſchen Abſicht, ſich durch einen Bücherhaufen von mehreren Kubikfuß durchzuarbeiten. Vergebens, daß die Vögel luſtig in den Bäumen vor meinem Fenſter zwitſcherten; vergebens, daß die Wölk⸗ chen, die am blauen Morgenhimmel hinſegelten, mich hinaus und in die Ferne lockten; vergebens, daß die lauen Lüfte mir manchmal neckiſch das Blatt umſchlugen, und mir von blühenden Wieſen, wallenden Kornfeldern und ſchattigem Waldesdunkel erzählten ich wollte von der Natur nichts wiſſen, weil ich keinen Menſchen hatte, mit dem ich mich ihrer Heprlichkeit freuen konnte. Denn, wir mögen uns ſtellen, wie wir wollen, der Menſch kann doch den Menſchen nicht entbehren; und ſelbſt dann, wenn wir in einem hypochondriſchen Anfalle vor den Menſchen in die Natur fliehen, müſſen wir ſie doch wieder mit lieben Geſtalten, und wären es auch nur Geſchöpfe unſerer Phantaſie, be⸗ leben, wenn ſie uns nicht alsbald todt und leer erſcheinen ſoll.

Und während ich dieſen Gedanken noch weiter verfolgte, und ſeufzend überlegte, welch trauriger Erſatz ſelbſt das beſte Buch für einen mittelmäßigen Geſellen iſt, den wir lieb haben; und ich, wie König Philipp, die Vorſehung um einen Menſchen bat, der mir die Laſt der nächſten Wochen möchte tragen helfen, vernahm ich plötz⸗ lich auf meinem Vorſaale einen ziemlich lebhaften Wortwechſel zwiſchen ver keifenden Stimme meiner Wirthin, die den ſtrengſten Befehl hatte, Jedermann, er ſei, wer er ſei, abzuweiſen, und einer tiefen Männer⸗ ſtimme, die nicht Willens ſchien, ſich abweiſen zu laſſen. Da mir war, als ob ich den Baß kennen müßte, und ich überdies den vor

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