Teil eines Werkes 
3. Band, Problematische Naturen : Roman : 3. Band (1866)
Entstehung
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202 Problematiſche Naturen.

Dein Leben würde mit Deinem Blute entſtrömen; aber ſträ auch nicht gegen die Wirkungen der Zeit, ä wie das ewige Schickſal. Du wirſt nach einige

denken; willſt Du mir, Deinem Bruder, verſprechen, dieſe ruhigeren und weiſeren Gedanken nicht wie eine Verſündigung an Deiner Liebe von Dir zu weiſen?

Ja.

Denn, Melitta, er iſt Dir doch verloren, auch wenn er dieſe ſeine neueſte Leidenſchaft überwinden ſollte. Er wird ſich auf ſeiner tollen Jagd nach dem Ideal, das er nie auf Erden außer ſich finden kann, weil es nur in ſeinem Gehirn lebt, in eine andere und wieder in eine andere Liebe ſtürzen; immer wähnen: dies iſt, wonach Du bis jetzt vergeblich geſucht, und immer wieder das Trügeriſche dieſer Illuſion erkennen, bis er zuletzt in der Verzweiflung über ſein Schle⸗ mihlthum irgend einen Schritt thut, der ihn aller weiteren Sorgen um die confuſe Welt überhebt. Die letzten Tage haben ihn dieſem unvermeidlichen Ziele um eben ſo viele Jahre näher gebracht.

Wie ſteht es auf Grenwitz?

Felix iſt jetzt außer Gefahr, obgleich man ihn in den erſten Stunden aufgegeben hatte. Er wird aber wohl ſein Leben lang ein Invalide bleiben eine ſchwere Strafe für Jemand, der, wie er, geſchwelgt in der Blumen Süßigkeit und jede Blume brach. Os⸗ wald's Kugel hat nur um eines Haares Breite ihr Ziel verfehlt. Felix wird Bruno's Tod ſein Leben zu danken haben. Oswald hat während des Duells kein Wort geſprochen, ſeine Miene blieb unbe⸗ weglich; nur als Felix ſtürzte, flog eine Art von Lächeln über ſein hlaſſes Geſicht; er ſchien das Bild der vollkommenſten Ruhe, und nur, wer ihn genauer betrachtete, ſah, wie es in ihm wühlte, und bemerkte, daß von Zeit zu Zeit ein Fieberſchauer durch ſeinen Körper zuckte. Er hat ſich bei der ganzen Affaire mit einem ausgezeichneten Tact benommen, der ſelbſt der Schaar ſeiner Gegner Achtung ab⸗ nöthigte. Sogar Cloten fühlte ſich gedrungen, in die bewundernden Worte auszubrechen; es iſt wahrhaftig ſchade, daß der Menſch nicht von Adel iſt.