186 Problematiſche Naturen.
geſpeiſt werden ſollte. Er blieb in der Nähe der Thür auf dem Tritt des niedrigen Divans, der ſich um den ganzen Saal herumzog, ſtehen. Die Paare der Tanzenden wechſelten; bald kamen dieſe bald jene in ſeine Nähe. Einmal ſtand Emilie von Breeſen, die mit ihrem Bräu⸗ tigam tanzte, dicht vor ihm. Sie that, als ob ſie ihn nicht bemerkte; ſie lachte und ſcherzte, vielleicht etwas zu laut— aber es iſt ſchwer, wenn man eine Rolle ſpielt, zu welcher man ſich zwingen muß, die Grenzen nicht zu überſchreiten; von Cloten dagegen machte von dem Vorrecht der Leute in ſeiner Situation, die gleichgültigſten Dinge im Flüſterton mit obligatem bedeutungsvollen Lächeln in die Ohren zu raunen, den ausgedehnteſten Gebrauch.
Oswald hatte von der plötzlichen Verlobung dieſer Beiden gehört; er wußte wohl am beſten, wie dieſelbe zu Stande gekommen war. Er erinnerte ſich, wie wegwerfend Emilie an dem Abend in Barnewitz ſich über Cloten geäußert hatte. Jetzt war ſie ſeine Braut.— Es wird eine glückliche Ehe werden; dachte Oswald, und er mußte ſich ſagen, daß er nicht den kleinſten Theil der Schuld an dieſem Unglück trage.
Ein paar Augenblicke ſpäter kam Helene in ſeine Nähe. Sie tanzte mit von Sylow. Oswald hatte ſie ſchon längere Zeit beobachtet und bemerkt, daß ſie ſchweigend und kalt, wie eine Marmorſtatue neben ihrem Tänzer ſtand, der die Hoffnungsloſigkeit ſeiner Bemühungen, eine Converſation zu Stande zu bringen, eingeſehen zu haben und den Kronleuchtern eine ſpecielle Aufmerkſamkeit zu widmen ſchien. Sobald ſie Oswald erblickte, flog ein Strahl des Lebens über die ſchönen ernſten Züge. Sie winkte ihm mit den Augen zu ſich heran.
„Wie geht es Bruno?“
„Danke! beſſer; er wollte ſchlafen.“
„Bleiben Sie hier?“
„Nein; ich werde bald wieder hinaufgehen.“
„Grüßen Sie Bruno— und hier! nehmen Sie ihm dieſe Roſen⸗ knospe mit.“
Helene nahm eine Roſenknospe aus dem Bouquet, welches ſie in der Hand trug, und gab ſie Oswald, der ſie mit einer Verbeugung entgegennahm. Er bemerkte, daß von Sylow's Aufmerkſamkeit ſich
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