Teil eines Werkes 
3. Band, Problematische Naturen : Roman : 3. Band (1866)
Entstehung
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Pritter Band. 53

„Aber wenn Du uns verließeſt.“

„Ich ſterbe fürs erſte noch nicht, deshalb ſei nur ganz unbeſorgt;“ ſagte Fräulein Helene lachend.

„Das wolle auch Gott verhüten! aber die Kinder werden ja nicht blos durch den Tod von den Eltern getrennt. Wenn Du nun heiratheſt, ſo müſſen wir uns doch darauf gefaßt machen, Dich abermals zu verlieren, nachdem wir Dich kaum wieder gewonnen haben.“

„Aber, Papa, Du ſprichſt ja gerade, als ob ich womöglich mor⸗ gen ſchon heirathen ſoll! Ich denke ja gar nicht daran. Auch die Mutter fing geſtern von dieſem Capitel an. Wollt Ihr mich denn wirklich ſo gerne wieder los ſein?“

„So, ſo, alſo Deine Mutter hat ſchon mit Dir geſprochen, hm, hm!“ ſagte der Baron, der natürlich nicht anders dachte, als daß die Baronin, mit dem längſt beſprochenen und vorbereiteten Plan endlich hervorgetreten ſei, und ver die Zeit, den Tag vor Felir Ankunft, auch ganz paſſend gewählt fand;„ſo, ſo! hm, hm! Nun, und wie gefällt Dir denn Dein Couſin?“

„Wer? Felir?“ fragte Helene, die für den Augenblick in ihrer Unbefangenheit den Zuſammenhang dieſer Frage mit dem Vorher⸗ gehenden nicht einmal ahnte.

„Ja.“

„Er kommt mir vor, wie der Champagner, den wir heute Mittag tranken. Die erſten Tropfen ſchmeckten recht gut, als ich das Glas eine Weile hatte ſtehen laſſen, fand ich den Wein ſehr fade und ab⸗ geſchmackt.— Aber Ihr habt mich doch nicht etwa für Couſin Felir beſtimmt?“ fragte Fräulein Helene, der dieſer Gedanke jetzt erſt durch den Kopf ſchoß, mit großer Lebhaftigkeit.

„Bewahre, das heißt: ganz, wie Du willſt; ich will ſagen: es wird Deinem Willen in dieſer Hinſicht nie ein Zwang auferlegt wer⸗ den,“ erwiederte der alte Baron, der weder die Wahrheit ſagen durfte, noch lügen wollte, mit ziemlicher Verwirrung.

Helene antwortete nicht; aher der angeregte Gedanke arbeitete in ihrem lebhaften Geiſte weiter. Sie verglich das geſtrige Geſpräch, das ſie auf ihrem Zimmer mit ihrer Mutter gehabt hatte, mit dem