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Zweiter Band.
*3 mein Fräulein, der Morgen iſt in der That ſehr ſchön.“ „Köſtlich. Haben Sie immer ſo herrliches Wetter in der letzten Zeit gehabt?“
„Immer; das heißt, einige Regentage ausgenommen.“
„Wenn man den Himmel ſo blau ſieht, ſollte man ſchlechtes Wetter für ein Märchen halten, meinen Sie nicht auch?“
„Gewiß.“
Fräulein Helene mochte glauben, daß dieſe geiſtreiche Unterhal⸗ tung nun lange genug gedauert habe, und da ſie zufällig an einer Stelle angelangt waren, wo eine ſchmale Treppe von dem Wall hinab in den Garten führte, ſo hielt ſie es in ihrem und ihres ein⸗ ſilbigen Begleiters Intereſſe für gerathen, dieſe Gelegenheit, die Scene abzubrechen, nicht unbenutzt zu laſſen.
„Haben Sie eine Ahnung, welche Zeit wir haben?“
„Halb ſieben.“
„Schon? Da muß ich eilen, in's Schloß zurückzukommen, ehe Mama meine Abweſenheit bemerkt.“
Fräulein Helene nickte vornehm mit dem Kopfe, ſtieg leicht die Treppe hinab und ging langſam zwiſchen den Blumenbeet Hauſe zu.
„Dem Glücklichen ſchlägt keine Stunde,“ ſagte Oswald als er der jugendlich ſchlauken Geſtalt nachſchaute,„glücklich. ſie alſo durch meine meteorologiſchen Bemerkungen nicht gemacht; und ihre Eile, in's Schloß zu gelangen, war weniger groß, als die von mir fortzukommen. Jedenfalls ſcheint ſie noch Zeit genug zu haben, ſich ein reizendes Bougquet zu pflücken. Ohne Zweifel für mich. Ich habe augenſcheinlich eine völlſtändige Eroberung gemacht. Wie ſie mich mit ihren wunderbaren Augen, ſo mitleidig halb und verächtlich, anblickte, als wollte ſie ſagen: ich thue Dir wohl einen großen Ge⸗ fallen, wenn ich Dich mit Deiner Blödigkeit allein laſſe! Sie iſt ſtolz, ſagte Bruno; gewiß, aber wie köſtlich ſteht ihr dieſer Stolz; wie kann ein Mädchen mit dieſem Geſicht, dieſen Augen, dieſem Haar anders als ſtolz ſein. Es iſt die Atmoſphäre, in die ſie ſo nothwendig ge⸗ hört, wie ein Adler in die höchſten Lüfte. Der Adler iſt auch ſtolz und kein Menſch nimmt es ihm übel... Wie ſchön das Mädchen iſt!


